
von Helge Fauskanger
übersetzt ins Deutsche von Brigitte Raßbach
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und wie sie mit dem Genitiv und Possessiv interagieren
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Wir
haben zu einem früheren Zeitpunkt Substantive als Wörter definiert, die Dinge
bezeichnen, wohingegen Verben Wörter sind, die Handlungen anzeigen - aber wir haben auch angedeutet, dass
Linguisten solche Definitionen als stark vereinfachend empfinden würden. Einige
Hauptwörter bezeichnen Handlungen, und sie werden dem angemessen Verbal-
Substantive genannt. Da solche Hauptwörter mit Genitiv und Possessiv auf
eine Art interagieren, die beachtet werden sollte, ist das hier ein geeigneter
Platz, sie einzuführen.
Ein
Verbalsubstantiv wird vom Stamm eines Verbs abgeleitet; im Englischen ist die
relevante Endung -ing. (Das ist auch die Endung, die benutzt wird, um aktive
Partizipien abzuleiten, aber sie sind Adjektive, keine Hauptwörter; die Formen
entsprechen einander im Englischen beinahe). Im
Deutschen wird es einfach aus dem Infinitiv gebildet, und ein Artikel kann davor
gesetzt werden. Es ist im Deutschen immer ein Neutrum (das
Hören, das Handeln). (Das / ein) Singen
ist das Verbalsubstantiv zu dem Verb singen;
mit anderen Worten: Singen ist die
Handlung, die Sie vollbringen, wenn Sie singen.
In
Quenya sind die Stämme einiger Primärverben die Quelle abstrakter Formen auf -më;
einige von ihnen scheinen ursprünglich Verbalsubstantive gewesen zu sein. Während
zum Beispiel das Verb „lieben“ mel- lautet, heißt das Hauptwort
„Liebe“ (oder „Lieben“) melmë. Einige von ihnen können stärker
spezialisierte Bedeutungen annehmen. Carmë wird für „Kunst“
verwendet (UT:439), obwohl es ursprünglich einfach eine Art Verbalsubstantiv
war, abgeleitet von dem Verb car- „machen, tun“ - folglich wörtlich
„Machen, Tun“. (Siehe unten, hinsichtlich oiencarmë.)
Primärverben
können auch die Endung -ië erhalten; das Verb tyal-
„spielen“ korrespondiert mit der abstrakten Form tyalië „Spiel,
Spielen“ (als Hauptwort; vgl. Mar Vanwa Tyaliéva oder “Hütte des
vergessenen Spiels”, was wir oben erwähnt haben). Angefügt an einen A-Stamm
sorgt die Endung -ië dafür, dass das finale -a wegfällt; vgl. naina-
„klagen“, woraus das abstrakte Substantiv nainië „eine Klage, ein
Klagen“ wird.
Eine
weitere häufige Art der Bildung ist die Verlängerung des Stammvokals eines
Primärverbs und Anfügen der Endung -ë. Das Verb ser-
„ruhen“ korrespondiert mit dem abstrakten Hauptwort sérë „Rast,
Ruhe, Frieden“. Sehr oft haben die auf diese Weise abgeleiteten Hauptwörter
eine Art konkreterer Bedeutung erhalten. Aus dem Verb sir- „fließen“
erhielten wir sírë, das ursprünglich etwas „Fließendes“
bezeichnen würde, aber dieses Hauptwort wird für „Fluss“ verwendet. Das
Hauptwort nútë ist verbunden mit dem Verb nut-,
„festbinden“, aber das Hauptwort hat sich über die volle, abstrakte
Bedeutung „Binden“ hinaus entwickelt und
bezeichnet stattdessen einen „Knoten“. Von lir „singen“ finden
wir lírë, eher für „Lied“ benutzt denn einfach für „Singen“.
Doch der zugrunde liegende Gedanke eines Verbalsubstantivs ist oft noch
erkennbar.
Die
Stämme einiger A-Stamm-Verben, speziell jener auf -ta, können auch ohne
Anhängsel als abstrakte Substantive verwendet werden. Vanta- ist das
Verb „gehen“, aber vanta wird auch als Verbalsubstantiv verwendet:
„ein Gehen“ („Gehen“ als Substantiv). Auf ähnliche Weise korrespondiert
das Verb lanta- „fallen“ mit dem Hauptwort lanta „ein
Fallen“. Doch das Hauptwort kann auch lantë lauten, wie im Namen des
Liedes Noldolantë oder “Fall der Noldor”, erwähnt im Simarillion.
In Quenya enden die meisten abstrakten Hauptwörter tatsächlich auf den Vokal -ë,
entweder alleinestehend oder als Teil einer längeren Endung.
Eine solche Endung ist -lë, die eine der vielseitigsten abstrakten Quenya-Nachsilben ist. Es könnte sein, dass es im Prinzip an jedes A-Stamm-Verb angehängt werden darf, und das daraus resultierende Wort grundsätzlich ein Verbalsubstantiv ist. Das Verb laita- „preisen, rühmen“ taucht im HdR auf (im Cormallen Praise), und das korrespondierende abstrakte Substantiv laitalë „Preisen, Rühmen“ erscheint in UT:166,436 (wo ein Bezug hergestellt wird zu Erulaitalë oder “Lob Erus“, ein Fest Númenórs). In früheren Lektionen haben wir das Verb nurta- „verbergen, verhüllen“ verwendet, das tatsächlich als Verbalsubstantiv nurtalë „Verhüllen (Verhüllung)“ attestiert ist (siehe unten, die Wendung Nurtalë Valinóreva "Verhüllung Valinors" betreffend).
Lassen
Sie uns nun zurückkehren zu den Fällen Genitiv und Possessiv. Wenn Sie ein
Verbalsubstantiv (oder eine abstrakte Form, die immer noch klar mit einem Verb
verbunden ist) mit einem Hauptwort im Genitiv
verbinden, wird angenommen, dass das Hauptwort das „Subjekt“ des
korrespondierenden Verbs ist. Ein attestiertes Beispiel ist Altariello nainië
für „Galadriels Klagelied“ (RGEO:66; die Quenyaform von Galadriels Namen
ist Altariel mit dem Stamm Altariell-). Der Genitiv Altariello
„Galadriels“, der das abstrakte Hauptwort nainië „Klagelied,
Klagen“ bestimmt, zeigt an, dass Galadriel diejenige ist, die das
Klagen vornimmt: Genitiv-Subjekt. Vielleicht lässt sich die Wendung i
equessi Rúmilo „die Aussagen Rúmils“ (WJ:398) ebenfalls auf diese
Weise analysieren: Rúmil ist das Subjekt,
das ursprünglich diese „Aussagen“ „sagte“. Einen offensichtlichen Fall
liefert uns die Wendung Oiencarmë
Eruo „des Einen [Erus, Gottes] immerwährende Schöpfung“ (oi-en-carmë
= wahrscheinlich „immer wieder machend
(re-making)“, und das wird angezeigt durch die Genitivform Eruo:
Wiederum Genitiv-Subjekt.
Weiter
zurück in Lektion 2 stellte ich den Irrtum heraus, der in dem Titel des Fanzine
Parma Eldalamberon steckt; es sollte stattdessen Parma Eldalambion
heißen. Ich muss nun die Angelegenheit hinsichtlich des Titels eines anderen
(guten!) Tolkien-Linguistik-Journals aufgreifen, Tyalië Tyelelliéva.
Das sollte „Spiel(en) der Tyelellië” (ein Volk kleiner Elben)
bedeuten. Aber da die Tyelellië das Subjekt des abstrakten Hauptwortes „Spiel(en)“ ist (jene, die
spielen), wäre es möglicherweise besser, hier den Genitiv zu benutzen:
vielleicht Tyalië Tyelelliéo.
So
weit das Genitiv-Subjekt; wie steht es mit einem Genitiv-Objekt?
Diese Art Genitiv wird im Englischen normalerweise ersetzt durch eine of-Konstruktion,
im Deutschen dagegen auch durch Genitiv:
„die Entdeckung Amerikas“ = die Entdeckung, für die Amerika das Objekt
darstellte. Genitiv-Subjekt und Genitiv-Objekt können sogar kombiniert werden,
in einer Wendung wie „Kolumbus´ Entdeckung Amerikas“ (Kolumbus ist das Subjekt,
das die Entdeckung vornimmt, Amerika ist das Objekt,
das entdeckt wird).
Unser
allereinzigstes attestiertes Beispiel eines Quenya-Genitiv-Objekts scheint
anzudeuten, dass Quenya für diese Bedeutung den Fall auf -va verwendet.
Dieses eine Beispiel findet sich im Silmarillion,
nahe am Ende vom Kapitel 11: Nurtalë Valinóreva, die „Verhüllung von
Valinor“ (Valinóreva ist gebildet aus Valinórë, einer älteren
Variante des Namens, der normalerweise zu Valinor verkürzt wird). Der
Punkt ist, dass die Valar Valinor verbargen, somit ist Valinor das Objekt
des nurtalë oder „Verbergens“. Wenn man statt dessen den Genitiv
benutzen und Nurtalë Valinórëo sagen würde, könnte das vermuten
lassen, dass das ein Genitiv-Subjekt ist - Valinor nimmt die Verhüllung vor,
anstatt das Objekt derselben zu sein. Das würde wenig Sinn machen, da Valinor
keine Person ist, die irgendetwas „verbergen“ kann. Im Gegensatz dazu kann oiencarmë
Eruo nicht verstanden werden als „andauernde Produktion des
Einen (als produziertes Objekt), selbst wenn
das irgend einen Sinn machen würde, denn wenn Eru das grammatikalische Objekt wäre,
das produziert wird, würden
wir offensichtlich stattdessen oiencarmë Eruva vorfinden.
Vielleicht
kann innerhalb derselben Wendung der o-Fall für das Genitiv-Subjekt
verwendet werden und der va-Fall für das Genitiv-Objekt; wenn ja, so wäre
es wahrscheinlich am besten, den ersten Genitiv dem Verbalsubstantiv vorausgehen
zu lassen. Nurtalë Valinóreva oder "Verhüllung
Valinors" könnte dann erweitert werden zu
Valaron nurtalë Valinóreva,
„der Valar Verhüllung Valinors“. Oder, um ein gänzlich hausgemachtes
Beispiel zu verwenden:
Eruo melmë Ataniva = "Gottes Liebe zu den Menschen" (wörtlich „Gottes Liebe der Menschen“)
und im Gegensatz dazu
Atanion melmë Eruva = "(der) Menschen Liebe zu Gott" (wörtlich „der Menschen Liebe Gottes)