Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!
Der Quenya-Dativ kennzeichnet indirekte Objekte, die Partei, die indirekt von der Handlung betroffen ist (oft der Nutznießer dieser Handlung, obwohl das indirekte Objekt auch nachteilig davon berührt sein kann). In der Einzahl lautet die Dativendung -n (wenn sie an ein Hauptwort angehängt wird, das auf einen Konsonanten endet, wird ein -e- davor als Hilfsvokal eingefügt). Hauptwörter mit einem Nominativ Plural auf -i bilden den Dativ Plural auf -in; diese Endung -in wird auch bei Hauptwörtern verwendet, die den Nominativ Plural auf -r bilden, so dass die dem Nominativ Eldar entsprechende Dativform Eldain darstellt. Die duale Dativendung ist -nt, zumindest im Fall von Hauptwörtern, die den dualen Nominativ mit -t bilden. (Hauptwörter mit einem dualen Nominativ auf -u sollten vielleicht den dualen Dativ auf -uen bilden, wenn wir dem früheren Material überhaupt Vertrauen schenken können, wo die Endung -n in Wirklichkeit eher dem Genitiv zugeordnet war als dem Dativ.)
Ein Gerund ist eine Form des Verbs, die fast als Hauptwort fungieren kann, und die entsprechende Handlung bezeichnet, aber im Gegensatz zu regulären substantivierten Verben können Gerundien immer noch Objekte bekommen. Quenya Gerundien werden mit der Endung -ië gebildet (also eine allgemeine abstrakte Endung); wenn dieses Suffix an einen A-Stamm angehängt wird, fällt das finale -a offensichtlich weg. Im Fall von Verben auf -ya wird vor dem Suffix -ië augenscheinlich die ganze Endung weggelassen. Ein Infinitiv, der einen Zweck ausdrückt („um zu ...“), wird in Quenya als Gerund im Dativ dargestellt, z. B. hirien „um zu finden“.
Quenya hat mehrere pronominale Endungen, die dem deutschen „wir“ entsprechen. Eine von ihnen ist (augenscheinlich) -lvë, ein „wir“ bezeichnend, das die Partei einschließt, zu der wir sprechen, wogegen die Endung -lmë ein ausschließendes „wir“ ausdrückt, das verwendet wird, wenn der Sprecher sich an eine Partei außerhalb der „wir“-Gruppe wendet, zu der der Sprecher selbst gehört. (Wir ignorieren eine frühere konzeptionelle Phase, in der -lmë ein einschließendes „wir“ darstellte und -mmë ein ausschließendes.)
Das unbestimmte Fürwort „man“ oder „jemand“ lautet in Quenya quen. Wahrscheinlich kann es Fallendungen erhalten, z. B. Genitiv queno „jemandes“.
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
In jedem Vokabelabschnitt haben wir zuerst eine neue Zahl eingeführt. Die Zahlen 1 - 11 sind ausdrücklich in den Etymologies erwähnt: minë, atta, neldë, canta, lempë, enquë, otso, tolto, nertë, cainen und minquë. Die elbische Art, zu zählen, mit der Basis 12 anstelle von 10, würde offenkundig auch ein Wort für „zwölf“ erfordern - die letzte der Basiszahlen. Doch die Etymologies erwähnen das Quenya-Wort für „zwölf“ nicht, und auch sonst ist es nirgendwo belegt. Etym zitieren nur die primitive Wortwurzel für diese Zahl: RÁSAT. „Keine anderen Formen sind gegeben“, schreibt Christopher Tolkien. Doch Studenten des Elbischen stimmen darin überein, dass ein Quenya-Wort, das aus dieser Wurzel entwickelt würde, am wahrscheinlichsten die Form rasta hätte (mit etwas wie rásatâ als dem vollständigen urelbischen Wort, der Akzent deutet hier eher Betonung an statt Verlängerung). Einige Schreiber haben in ihren eigenen Kompositionen rasta verwendet, so ist es zumindest ein post-Tolkiensches Quenyawort. Um unseren Überblick über die Basiszahlen zu vervollständigen, habe ich unten rasta in das Vokabular aufgenommen - aber es muss klar sein, dass es, obwohl definitiv ein plausibles Wort, nicht explizit im veröffentlichten Material zu finden ist. (An einer anderen Stelle zitierte Tolkien yunuk(w)- als elbische Wurzel für “zwölf”, und damit wäre das Quenyawort vielleicht etwas wie yunquë! Siehe VT42:24,31. Hinsichtlich „zwölf“ hatte Tolkien offensichtlich die schlimme Angewohnheit, nur die alten Wurzeln zu zitieren und nicht das tatsächliche Wort in späterem Elbisch...)
| ?rasta | zwölf |
|
mahta- |
kämpfen |
| anta- | geben, unregelmäßige erste Vergangenheit: ánë. (Diese
Vergangenheitsform ist in einer sehr alten Quelle aufgelistet, dem Qenya
Lexicon p. 31. Es ist durchaus möglich, dass in Tolkiens späterem
Quenya die erste Vergangenheit von anta- ebenso gut regelmäßig
sein könnte: antanë. Doch die Sindarin-Verbform ónen
"Ich gab", die im HdR, Anhang A auftaucht, würde eher zu Quenya
ánen passen statt zu ?antanen. Die Etymologies,
Eintrag ONO, zeigen an, dass die Vergangenheitsform des Verbs onta-
"hervorbringen, erzeugen" sowohl ónë als auch ontanë
sein kann; vielleicht kann die Vergangenheitsform von anta-
auf ähnliche Weise sowohl ánë als auch antanë lauten.
Wir werden hier die attestierte Form ánë verwenden.) |
| suc- | trinken |
| anna | Geschenk |
| alassë | Freude |
| hroa | Körper (verwandt mit einem Wort, das schon an früherer Stelle eingeführt
wurde, hrávë "Fleisch"; Tolkien wollte sie abgeleitet
aus dem Urelbischen srawâ und srâwê, in dieser
Reihenfolge. Siehe MR:350.) |
| noa | Idee,
Vorstellung |
| cala | Licht (wie in Calaquendi "Licht-Elben", Calacirya/-cilya "Licht-Kluft", in deutschen Übersetzungen auch „Pass des Lichts“ übersetzt) |
| mára | gut (im Sinn von "passend, nützlich" – Quenya kennt für "gut" im moralischen Sinn andere Wörter) |
| quen | unbestimmtes Pronomen "man", "jemand" |
| arwa | Adjektiv "besitzend", "im Besitz von", „unter Kontrolle von“, gefolgt vom Genitiv (siehe Anmerkung) |
ANMERKUNG
ZU ARWA "BESITZEND, UNTER KONTROLLE VON": Dieses Adjektiv ist
in den Etymologies, Eintrag ƷAR (obwohl es abgeleitet ist aus einer Wurzelvariante GAR).
Es kann verwendet werden, um zusammengesetzte Adjektive zu bilden. Tolkien
erwähnte das Beispiel aldarwa "Bäume habend" =
"baumbestanden" (alda + arwa, "baum-habend").
Aber offensichtlich kann arwa "habend, besitzend" auch
eigenständig verwendet werden, und dann würde es gefolgt von einer
Genitivform. (Wie oben angedeutet war die Genitivendung -n, als Tolkien die Etymologies
schrieb, aber wir müssen annehmen, dass die Regel als solche immer noch gültig
war, nachdem die Endung sich später zu -o
abgewandelt hatte.) So können wir möglicherweise Formulierungen bilden wie nér
arwa collo, "ein einen Mantel besitzender Mann " (colla
"Mantel, Umhang", Genitiv collo). Vielleicht kann man das
einfach übersetzen mit „ein Mann mit
einem Mantel“, und wenn wir arwa verwenden in der Bedeutung
"mit", würde das bedeuten, dass die Wörter für „mit“ und
„ohne“ (arwa und ú, in dieser Reihenfolge) beide vom Genitiv
gefolgt werden! Doch es heißt, arwa sei ein Adjektiv und keine
Präposition, also stimmt arwa voraussichtlich im Numerus überein, wird
zu arwë (für archaisches arwai), wenn es zurückverweist auf ein
Pluralwort: Neri arwë collo, "einen Mantel besitzende Männer",
Naucor arwë harmaron "Schätze besitzende Zwerge",
arani arwë ohtarion "Krieger kontrollierende Könige
".
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
1. Übersetzen Sie ins Deutsche:
2. Übersetzen Sie in Quenya: