Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach
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Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!
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vorne, in Lektion 5, haben wir das Konzept grammatikalischer Objekte eingeführt, das „Ziel“ der Handlung, die das Subjekt
ausführt: I Elda máta massa = „der Elb isst Brot“, i Nauco hirnë harma
= „Der Zwerg fand einen Schatz“.
Bis
jetzt waren in diesem Kurs alle Objekte, mit denen wir uns befasst haben, präziser
ausgedrückt direkte Objekte. Das sind Objekte, die direkt von der
Handlung berührt sind. Im archaischen Quenya hatten solche Objekte ihren
eigenen Fall, den Akkusativ - aber dieser Fall hatte im Quenya des Dritten
Zeitalters nicht mehr länger eine eigene, andersartige Form. Aber es gibt auch indirekte
Objekte, denen die Quenya-Grammatik ebenfalls spezielle Formen zuweist. Der
Fall, der indirekte Objekte anzeigt, der Dativ, war auch im Quenya des
Dritten Zeitalters lebendig. Aber bevor wir behandeln, wie Dativformen gebildet
werden, lassen Sie uns einen genaueren Blick auf indirekte Objekte werfen.
Ein
indirektes Objekt ist, vollkommen logisch, ein Objekt, das von der Handlung indirekt
betroffen ist. So ist das indirekte Objekt oft der Nutznießer der Handlung
(obwohl er ebenso gut einen Part bezeichnen kann, der von dieser Handlung
nachteilig berührt ist). Das archetypische Beispiel betrifft das Verb
„geben“, das logischerweise drei Parteien erfordert: Das Subjekt, das das
Geben ausführt, das direkte Objekt, welches die Sache darstellt, die gegeben
wird, plus das indirekte Objekt, das der Empfänger des Geschenks und
somit der Nutznießer der Handlung ist:
Der
Mann [Subjekt] gab dem Jungen [indirektes Objekt] ein
Buch [direktes Objekt].
Modernes Englisch hat (im Gegensatz zum Beispiel zum Deutschen) keinen eigenen,
zu unterscheidenden Dativ, so dass im Englischen im obigen Beispiel dem
Hauptwort „dem Jungen“ = „the boy“ keine eigenen Elemente zum Anzeigen
der Beugung verliehen werden. Im Englischen können indirekte Objekte einfach
durch die Anordnung der Wörter angezeigt werden; das indirekte Objekt wird dann
im Satz vor das Objekt gestellt, so wie in dem Beispiel oben „dem Jungen“
vor „ein Buch“ erscheint. Doch wie im Englischen oft die Formulierung
„of“ anstelle eines Genitiv verwendet wird, wird auch die Abwesenheit eines
eigenen Dativs häufig durch die
Umschreibung mit Präpositionen kompensiert: Die beiden Präpositionen, die dafür
am häufigsten verwendet werden, sind „to“ und „for“. Statt zu sagen
„der Mann gab dem Jungen ein Buch“ (wo die Wortreihenfolge allein den
Jungen als indirektes Objekt identifiziert), könnte man im Englischen sagen „the
man gave a book to the boy“. Beispiele
mit „for“ könnten sein „we did it for the children”, oder “the
men work for the queen”. Im Deutschen
ist der Dativ ein eigener Fall (auch wenn er vor allem im Plural manchmal
genauso aussieht wie der Nominativ: „die Frauen“, „den Frauen“, nur der
Artikel ist gebeugt) und wir benötigen normalerweise keine Umschreibungen, wenn
wir von der üblichen Wortreihenfolge abweichen. Bei den beiden letztgenannten
englischen Beispielen mit „for“ jedoch würden wir auch im Deutschen die Präposition
„für“ verwenden: „wir taten es für die Kinder“, „die Männer
arbeiten für die Königin“.
In
Quenya würden in diesen Beispielen „dem Jungen“, „für die Kinder“,
„für die Königin“ als indirekte Objekte betrachtet - die Parteien, die
indirekt von der Handlung betroffen sind - und die dazugehörenden Hauptwörter
würden die Dativform annehmen. Hier gäbe es keine Notwendigkeit, eine
spezielle Wortreihenfolge einzuhalten, oder Präpositionen wie „für“ zu
verwenden. Vgl. die Frage, die in der Mitte des Namárië
auftaucht, und wo das Pronomen ni
„ich“ (verwandt mit der Pronomenendung -n
oder -nyë mit ähnlicher Bedeutung)
im Dativ erscheint:
Sí
man i yulma nin enquantuva?
“Wer wird mir nun meinen Becher füllen?” oder „Wer wird nun den
Becher für mich füllen?“
Das Element „für“ aus der zweiten Variante ist in Quenya kein eigenes
Wort; es ist einfach das finale -n von nin - jenes -n ist
die Dativendung in Quenya. Folglich heißt es nin
= "ich-für", oder in korrektem
Deutsch: „mir, für mich“. Mit dem Verb „geben“ = anta-
wäre das Quenya-Äquivalent von „du wirst mir ein Buch geben“ aller
Wahrscheinlichkeit nach etwas wie antuvalyë nin parma.
Das Dativpronomen nin taucht in der letzten Zeile von Fíriel's
Song auf, als Teil eines Satzes,
den Tolkien übersetzte mit „what will the Father ... give me ...?“
(„Was wird der Vater mir geben?“, LR:2).
Der
Plotz Letter bestätigt, dass die Endung -n
für den Dativ nicht nur an Pronomen angehängt werden kann; sie kann auch an
gebräuchliche Hauptwörter angehängt werden. (Plotz listet ciryan
als Dativ von cirya „Schiff“ auf
und weist hin auf lassen als Dativ
von lassë „Blatt“.)
So können wir Sätze bilden wie carnelyes i Naucon
"du tatest es für den
Zwerg" oder i nér antuva i parma
Eldan
"der Mann wird das Buch einem Elben
geben". Im Deutschen wird auch der
bestimmte Artikel gebeugt, wie in dem Beispiel „für den
Zwerg“. Im Englischen muss „einem Elben“ mit „to
an Elf“ übersetzt werden oder aber die Wortreihenfolge geändert werden
(„an Elf the book“). In Quenya (und das gilt
auch für Deutsch) kann die Wortreihenfolge viel freier gestaltet werden
(der Hauptvorteil einer stark gebeugten Sprache!), da die Fallendung anzeigt,
dass das fragliche Hauptwort ein indirektes Objekt ist, unabhängig davon, wo im
Satz es auftaucht. Das ermöglicht dem Sprecher, das indirekte Objekt an andere
Stellen zu bringen, um subtile Nuancen der Betonung auszudrücken. Beispiel: Wir
könnten wahrscheinlich das indirekte Objekt an den Satzanfang stellen, um
besonderes Augenmerk darauf zu lenken: Eldan i nér antuva i parma, „einem Elben wird der Mann das Buch geben“, mit einer Bedeutung wie
„es ist ein Elb [kein Zwerg etc.],
dem der Mann ein Buch geben wird“. Ob das direkte oder das indirekte Objekt
zuerst kommt, mag nicht besonders von Belang sein; während i nér antuva i
parma Eldan bedeutet: "Der Mann wird das Buch einem Elben
geben", kann man i nér antuva Eldan i parma übersetzen mit „der Mann wird einem Elben das Buch geben“.
Im Plural enden Dativformen auf -in. Für Hauptwörter mit einem Nominativ auf -i bedeutet das, dass sie einfach die Dativendung -n anhängen. Der Plotz Letter verweist auf lassin als Dativform von lassi „Blätter“. Der Dativ Plural eines Wortes wie laman (lamn-) „Tier“ wäre folglich lamnin = „den Tieren“, „für Tiere“. Die Endung -in wird aber auch an Hauptwörter angehängt, die im Nominativ Plural auf -r enden würden; der Pluralmarker -r erscheint in der Dativform nicht. Aus der ersten Zeile von Fíriel's Song (übersetzt mit „the Father made the World for Elves“, „der Vater schuf die Welt für Elben“) wissen wir, wie der Dativ Plural von Elda aussieht: Eldain. Es sollte beachtet werden, dass die Endung -in mit dem letzten Vokal des Hauptwortes zu einem Diphthong verschmilzt, wie in diesem Fall -ai. Fíriel's Song versorgt uns auch mit dem Dativ Plural von “Sterbliche”: Fírimoin (Nominativ Plural Fírimor, LR:245; Tolkien bevorzugte später die Form Fírimar, wie in dem veröffentlichten Silmarillion, Kapitel 12. Der Dativ Plural würde dann natürlich zu Fírimain.)
In der vorangegangenen Lektion stellte ich heraus, dass es nicht ganz klar sei, was mit der Endung -iva (Possessiv Plural) passiert, wenn sie an ein Hauptwort angehängt wird, das bereits auf -i endet, wie tári „Königin“, oder an ein Hauptwort mit einem Stamm auf -i, wie lómë (lómi-) “Nacht' (SD:415). Dasselbe Problem taucht bei Dativformen im Plural auf. Der Dativ Singular (=Einzahl) „einer Königin“ wäre wahrscheinlich tárin, aber wenn wir versuchen, einen Dativ Plural durch Anhängen von -in an tári zu bilden, bleibt uns wahrscheinlich wieder tárin als Wort für „(für) Königinnen“ (wobei das finale -i des Hauptwortes und das initiale -i der Endung einfach verschmelzen). Es ist denkbar, dass die zwei Vokale zu einem langen í verschmelzen, was zu tárín führt als Wort für „(für) Königinnen), aber das scheint eine etwas unwahrscheinliche Wortbildung zu sein: Quenya hat kaum je einen langen Vokal in einer letzten unbetonten Silbe (obwohl es da das Wort palantír gibt). Es kann gut sein, dass tárin sowohl für die Einzahl wie auch für die Mehrzahl herhalten muss, so dass wir uns auf den Kontext verlassen müssen, um herauszufinden, welcher Numerus gemeint ist.
Die
duale Dativendung ist im Plotz Letter
mit -nt gegeben, der duale Dativ von
of cirya "Schiff" ist aufgelistet als ciryant
- was so etwas bedeuten würde wie „für ein Schiffspaar, einem
Schiffspaar“. Natürlich verbindet diese Endung -nt einfach die
Dativendung -n mit der dualen Endung -t. Schon in Lektion 1 erwähnte
ich kurz, dass dieses -nt das einzige Beispiel eines finalen
Konsonantenclusters zu sein scheint, das im Quenya im Stil des HdR erlaubt ist.
Es kann sein, dass nur Hauotwörter mit dualen Nominativen auf -t
Dativformen auf -nt bilden; im Fall der Hauptwörter mit dualen Formen
auf -u kann es gut sein, dass die einfachste Dativendung -n
verwendet wird. Wenn wir wieder einmal Aldu „Zwei Bäume“ als unser
Beispiel heranziehen, sollte die Dativform vielleicht nicht Aldunt sein,
sondern eher Aldun (oder möglicherweise Alduen; siehe unten, Ar-Veruen
betreffend). Uns fehlen in jedem Fall Beispiele.
In
einigen Fällen kann ein Satz ein indirektes Objekt (in Quenya ein Dativobjekt)
enthalten, obwohl der Satz kein direktes Objekt enthält. In dem Quenya-Äquivalent
von „die Männer arbeiten für den König“ würde die Präposition „für“
repräsentiert durch die Fallendung -n,
angehängt an aran (und wahrscheinlich würde aranen
daraus, mit einem Hilfsvokal -e-, der
vor der Endung eingefügt wird): Es gibt wengistens ein attestiertes Beispiel
eines Satzes, der ein Dativobjekt hat, aber kein direktes Objekt: Tolkien
benutzte in seiner Quenyaversion des Vaterunser eine Dativform für das
Pronomen „wir, uns“ bei der Wiedergabe der Wendung „... unsern
Schuldigern“ (engl: „...those who trespass against
us“, „jene, die gegen uns sündigen“, diese Formulierung macht die
folgende Diskussion verständlicher). (Das ist, nur nebenbei, ein
Beispiel für einen Dativ, der zur Identifizierung eines Parts verwendet wird,
der von der Handlung widrig berührt wird: Der Kontext muss entscheiden, ob die
Dativwendung übersetzt werden sollte mit „gegen uns“ oder „für uns“.
Grammatikalisch gesprochen wären beide Interpretationen gleichermaßen gültig,
aber „jene, die für uns sündigen“ würde in diesem speziellen
Kontext keinen Sinn machen.) Das Verb „trespass“ oder sündigen kann kein
direktes Objekt haben, aber offensichtlich kann ein Part indirekt von dem Sündigen
betroffen sein, somit kann es hier ein indirektes Objekt geben - in Quenya
passend ausgedrückt als Dativobjekt.
Dativformen
können auch in Sätzen auftauchen, die kein Subjekt haben, ein
grammatikalisches Phänomen, das im modernen Englisch und
im Deutschen praktisch nicht gehört wird. Doch könnte man solche Sätze
vergleichen mit Wendungen wie „es scheint mir, dass...“, und die
Bedeutung ist ziemlich intakt. Solche Formulierungen sind vergleichbar mit
Quenya-Formulierungen wie orë nin
caritas, wörtlich „[es] drängt mich,
es zu tun“, das etwas ausdrückt, das wir im Deutschen formulieren würden mit
„ich würde es gerne tun“ (VT41:13). Beachten Sie, dass der Satz orë nin
caritas kein Subjekt hat, aber sehr
wohl ein Dativ-Objekt: nin „mir“ (auch wenn wir es übersetzen mit
„mich“ = Akkusativ). Or- oder ora- „drängen“ ist eines
der unpersönlich Verben in Quenya,
die zu solchen Formulierungen einladen; wir werden zu diesen Verben in einer späteren
Lektion zurückkehren.
Dativformen
können sogar in Wendungen auftauchen, in denen überhaupt kein Verb vorkommt.
Tolkiens (unvollständige) Übersetzung des Gloria Patri lautet in einem Teil: Alcar
i ataren ar i yondon ar i airefëan = „Ehre (sei) dem Vater und dem Sohn
und dem heiligen Geist“ (VT43:36). Beachten Sie die Dativendung -n,
angehängt an atar „Vater“, yondo „Sohn“ und airefëa
“Heiliger Geist”. (in der Form ataren wurde ein verbindender Vokal -e-
vor der Endung -n eingefügt, da **atarn kein in Quenya mögliches
Wort darstellt.)
Eine
frühere Anwendung der Fallendung -n: In Tolkiens langer Evolution des Quenya war -n nicht immer die
Dativendung. Aus der Perspektive der HdR-Szenerie war eines der wenigen Dinge,
das im Hinblick auf die Etymologies
(geschrieben Mitte der Dreißiger) an Quenya nicht in Ordnung war, dass dort
stattdessen -n die Genitivendung
darstellte. Der Eintrag LEP listet zum
Beispiel die Namen von verschiedenen Valinorischen Wochentagen auf, einschließlich
Ar Manwen = Tag Manwes, oder Ar Ulmon = Tag Ulmos (vgl. das
Hauptwort arë „Tag“ - aber später änderte Tolkien das Wort für
„Tag“ in aurë oder ré, wie in den Anhängen zum HdR
aufgezeigt).
Dieser
Gebrauch der Endung -n lässt sich auch in einer Formulierung finden, die
in den Mittvierzigern geschrieben und in SD:303 wiedergegeben ist: Quenta
Eldalien „Geschichte der Elben [Eldalië,
Elbenvolk]. In Entwürfen zu dem Gedicht, das einmal das Namárië
werden sollte, benutzte Tolkien Vardan
als Genitiv „Vardas“ (siehe z. B. die frühe Version, wiedergegeben in
TI:284-285). In einem der späteren Manuskripte schrieb Tolkien immer noch Vardan, aber dann strich er es aus und ersetzte es durch Vardo.
Hier scheint genau der Augenblick festgehalten zu sein, an dem
Tolkien die Genitivendung von -n zu -o
abänderte. Tatsächlich taucht die Genitivendung -o
auch in früheren Quellen auf; ein „Qenya“-Gedicht aus den frühen Dreißigern
enthält bereits ciryo (geschrieben kiryo) als Genitiv von cirya „Schiff“
(langon veakiryo „die Kehle des
See-Schiffs“, MC:216). Was den Dativ angeht, so verwendet das „Qenya“ der
vor dem HdR datierten Komposition Fíriel's Song
dafür bereits -n (pl. -in), wie aus
einigen oben zitierten Beispielen ersichtlich ist. Später wurde aus -n
wieder für eine Zeitlang die Genitivendung, wie die Skizzen zum Namárië
andeuten. Es scheint also, dass Tolkien seine Meinung über Jahrzehnte hin und
zurück änderte - aber die letztendliche Lösung, wie sie sich im HdR spiegelt
und im Plotz Letter kodifiziert ist, war -o
als Endung für den Genitiv, während -n
die Dativendung war.
Einige
der überholten Genitive aus den Etymologies
sind als Formen nach wie vor interessant. Unter dem Eintrag AY
heißt es, das Hauptwort ailin „See, Teich“ habe den „g.sg.“
(Genitiv Singular) ailinen. Aufgrund Tolkiens späterer Revisionen müsste
die Form ailinen im HdR-Stil als Dativ
Singular verstanden werden - und „einem See“ bedeuten anstelle von „eines
Sees“: Das Beispiel ailinen ist insofern interessant, als es uns zeigt,
was passiert, wenn die Fallendung -n (unabhängig davon, welchem Fall sie
nun zugeordnet ist!) an ein Hauptwort angehängt wird, das auf einen Konsonanten
endet, wie ailin. Da **ailinn keine in Quenya mögliche Wortform
darstellt, wird ein e vor der Endung eingefügt und ailinen daraus
gemacht. Obwohl die Endung -n in ihrer Bedeutung abgeändert wurde,
bleibt das Prinzip, einen Hilfsvokal einzufügen, wo immer er erforderlich ist,
immer noch gültig. [Update, Ende 2002: Diese Annahme wurde nun durch ataren als
Genitiv von atar „Vater“ bestätigt, VT43:36. Das ist eine echte
Dativform aus Quenya nach dem HdR, somit verwendete Tolkien nach wie vor den
selben verbindenden Vokal, auch nachdem er die Bedeutung der Fallendung -n
abgeändert hatte.]
Wenn
das Hauptwort eine spezielle Stammform hat, bei der sich der finale Konsonant in
einen anderen Konsonanten oder einen Konsonantencluster verwandelt, wenn eine
Endung angefügt wird, erfolgen diese Änderungen, bevor dieses zusätzliche -e
eingefügt wird: Unter dem Eintrag LIN2 in den Etymologies
lernen wir, dass Laurelin (Laurelind-),
der Name des Goldenen Baumes von Valinor, den „g.sg.“ Laurelinden hat. Im HdR-Quenya wäre dies statt dessen der Dativ
Singular, aber die Form als solche wäre nach wie vor gültig. Dasselbe gilt für
lissen als Form von lis
(liss-) „Honig“; siehe Eintrag LIS. Wir können dann
unterstellen, dass ein Hauptwort wie nís
(niss-) „Frau“ auf ähnliche
Weise behandelt werden würde: Dativ nissen.
Eine
der „Genitiv“-Formen der Etymologies könnte sogar etwas Licht werfen
auf die Frage, wie die späteren Dativ-Formen von dualen Pluralen auf -u
aussehen sollten. Ein Wochentag Valinors ist unter den Einträgen BES und
LEP aufgelistet als Arveruen oder Ar-Veruen,
der „Tag der Ehegatten“, er bezieht sich auf das Vala-Paar Aule und Yavanna.
Hier finden wir veruen als Genitiv der dualen Form veru
„Ehegatten, verheiratetes Paar“. Es sollte beachtet werden, dass der
Hilfsvokal -e- hier ebenfalls eingesetzt wird (etwas überraschend: man könnte
meinen, dass **verun eine akzeptable Form darstellt). Wenn
dieser Genitiv veruen nach der Bedeutungsveränderung der Endung -n
nach wie vor Gültigkeit hat und veruen im Quenya im Stil des HdR eine
Dativform darstellt, würde das anzeigen, dass Hauptwörter mit einem dualen
Nominativ auf -u die Dativform mit -uen bilden. Der Dativ von Aldu
„Zwei Bäume“ wäre dann weder Aldunt noch Aldun, sondern
vielmehr Alduen. Aber ich brauche wohl kaum zu sagen, dass wir uns hier
auf unsicherem Terrain bewegen, und ich werde keinerlei Übungen erstellen, die
auf solchen Hypothesen beruhen.