Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach
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Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!
„Demonstrativpronomen“ sind Wörter
wie unser dieser (diese/dieses) oder jener
(jene/jenes), mit den entsprechenden Pluralformen diese
oder jene. Sie haben eine stärkere Bedeutung als der bloße Artikel der,
die, das (obwohl in den Sprachen dieser Welt viele bestimmte Artikel von älteren
Demonstrativpronomen abstammen, die übermäßig gebraucht wurden, sodass ihre
Bedeutung verblasste). Die Demonstrativpronomen können zusammen mit Hauptwörtern
verwendet werden und bilden dann Wendungen wie „dieses Haus“ oder „jener
Mann“.
Im
Quenya im Stil des HdR finden wir nur ein Demonstrativpronomen, das in einem
echten Text attestiert ist: Cirions Eid beginnt mit den Worten vanda
sina, übersetzt „this oath“, „dieser Eid“. Die Wortreihenfolge
bedeutet auf Quenya in Wirklichkeit „Eid dieser“, mit sina
als Wort für „dieser“: Die Wurzel si-
hat zu tun mit der gegenwärtigen
Stelle in Zeit oder Raum (vg. Wörter wie sí
“nun“ oder sinomë „an dieser
Stelle“ = „hier“, letzteres aus Elendils Proklamation im HdR).
Ein
Wort für „jene“ erscheint in einem frühen Quenyatext als tanya, veröffentlicht in MC:215, mit tanya wende für „jenes Mädchen“. Hier ist die Wortreihenfolge
wie bei uns, mit dem Demonstrativpronomen an erster Stelle und dem Hauptwort,
das es kennzeichnet, darauf folgend - das Gegenteil der Wortreihenfolge, die wir
in Cirions Eid finden. Vielleicht ist die Wortreihenfolge frei, so dass vanda
sina ebenso gut sina vanda heißen
könnte - und umgekehrt, vielleicht könnte tanya
wende ebenso gut wende tanya heißen?
Sei es, wie es sei, wir können nicht besonders sicher sein, dass das Wort tanya
im Quenya im Stil des HdR überhaupt noch gültig ist. Die Etymologies
listen ta
als elbischen „demonstrative stem ‚that’,“, als hinweisenden
Stamm „jener (jene/jenes)“ auf, und das tatsächliche Quenyawort für
„jener“ ist gegeben mit tana. Da
diese Form ein perfektes Gegenstück zu sina
„dieser“ zu sein scheint, werden wir hier statt tanya als Wort für „jener/jene/jenes“ tana verwenden (obwohl es auch möglich ist, dass die ‚Qenya’-Form
tanya es bis in die späteren Stufen
von Tolkiens Konzept schaffte). Mit vanda
sina als „dieser Eid“ müssen wir annehmen, dass „jener Eid“ vanda
tana wäre. Kann sein, wir sollten die „Qenya“-Wendung tanya
wende „jenes Mädchen“ updaten auf vendë
tana im Stil des HdR (oder wendë
tana mit der älteren, archaischen Schreibweise des Wortes für „Mädchen“).
Dann verwenden wir auch die Wortreihenfolge, die in Cirions Eid zu sehen ist,
mit einem Demonstrativpronomen, das dem verbundenen Hauptwort folgt statt ihm vorauszugehen: Unter dem Eintrag ta
in den Etym beschrieb Tolkien tatsächlich tana
als anaphoric word für „jener“, das heißt, dass es zurückverweist auf
etwas, das schon erwähnt wurde.
Doch
sina „diese(r/s)“ und tan(y)a
„jene(r/s)“ sind nicht die einzigen bekannten Quenya-Demonstrativpronomen.
Obwohl sie wirklich in keinerlei Quenyatexten zu sehen sind, werden in Tolkiens
Aufzeichnungen andere Demonstrativpronomen erwähnt. Ein anderes Wort für „jene(r/s)“
ist enta, erwähnt unter dem Eintrag en
in den Etymologies und dort
beschrieben als ein Adjektiv mit der Bedeutung „that yonder“, „das da drüben“.
Von der Wurzel en selbst heißt es, sie sei ein „element or prefix =
over there, yonder“, „Element oder Vorsilbe = dort drüben“. Wenn wir nach
wie vor das Demonstrativpronomen dem verbundenen Hauptwort folgen lassen, können
wir vielleicht eine Wendung formulieren wie coa enta, und drücken damit „jenes Haus“ aus, im Sinn von
„das Haus dort drüben“.
Es kann sein, dass Tolkien wollte, dass Quenya drei Grade der Nähe oder Entfernung unterscheidet, wie auch einige Sprachen unserer Welt das tun. Das Englische wie das Deutsche unterscheidet typischerweise zwei Abstufungen, „diese(r/s)“ und „jene(r/s)“: Um die Angelegenheit drastisch zu vereinfachen, könnten wir sagen, dass „diese(r/s)“ auf etwas in der Nähe des Sprechers verweist, während „jene(r/s)“ auf etwas weiter weg vom Sprecher deutet. Aber in einigen Sprachen wird auch die Position des Zuhörers in Betracht gezogen. Es gibt zwei Wörter für „jene(r/s)“, eines bezieht sich auf etwas vom Sprecher Entferntes, aber in der Nähe der angesprochenen Person („jenes Ding bei dir dort drüben“), und ein anderes bezieht sich auf etwas, das sich weder in der Nähe des Sprechers noch des Zuhörers befindet („jene Sache, die wir dort drüben sehen“). Könnte es sein, dass in Quenya tana als Wort für „jene(r/s)“ auf etwas verweist, das sich in der Nähe der angesprochenen Person befindet, während enta sich auf etwas bezieht, das sich sowohl weiter weg vom Sprecher als auch vom Zuhörer befindet, der (die) angesprochen wird? Es gibt gegenwärtig wenig bis kein Zeugnis, das eine solche Theorie unterstützt, aber wir können zumindest sicher sein, dass das Wort enta eindeutig die Vorstellung von „dort drüben“ mitbezeichnet, die Vorstellung von etwas, das durch physische Distanz vom Sprecher getrennt ist. Es sei angemerkt, dass ein Sindarinwort für „dort“, und zwar ennas (SD:129 vgl. 128), verstanden wird als ältere Lokativform, die einem Quenyawort entassë = “in yonder [place]“, „[an dem Platz] dort drüben“ entspricht. (Vielleicht ist tana einfach ein allgemeineres Wort für „jener“, mit Fokus auf der speziellen Identität von etwas oder jemandem: „jener“ als Gegenstück zu irgendjemand anderem.)
Ein weiteres Wort für „jene(r/s)“ ist yana, erwähnt unter dem Eintrag ya in den Etym: Nach der Auslegung „that“ (jener) fügte Tolkien in Klammern eine Spezifikation hinzu: „(the former)“, „(der vorige)“. Vielleicht würde aran yana „jener König“ heißen mit der Implikation, dass wir von einem früheren König sprechen, der nun tot ist oder nicht länger regiert. Es könnte interessante Gegensätze existieren zwischen yana und enta als Wörter für „jene(r/s)“: In den Etymologies merkte Tolkien an, dass die Wurzel ya „dort, dort drüben; früher“ bedeutet. Er fügte hinzu, dass en, die Wurzel, aus der enta stammt, „auf eine Zeit in der Zukunft deutet“. So könnten wir, wenn wir über einen zukünftigen Tag reden, der noch nicht angebrochen ist, „jener Tag“ übersetzen mit aurë enta, während aurë yana „jener Tag“ bedeutet mit Bezug auf einen Tag in der Vergangenheit. (Eine „neutrale“ Formulierung ohne spezielle Implikation wäre dann vielleicht aurë tana.)
Was den Plural der Demonstrativpronomen betrifft, wie „diese“ und „jene“, so haben wir keine attestierten Quenyaformen. Doch die Wörter sina „diese(r/s)“ und tana, yana „jene(r/s)“ sehen ihrer Form nach wie Adjektive aus (-na ist eine Adjektiv- oder Partizipienendung), und enta „dort drüben“ identifizierte Tolkien ausdrücklich als Adjektiv (Etym, Eintrag en). Aller Wahrscheinlichkeit nach können wir also alle diese Wörter wie Adjektive beugen, und dann können wir ihre Pluralformen einfach bilden, indem wir das finale -a zu -ë abändern:
vanda
sina "dieser
Eid" / vandar sinë "diese Eide"
nís
tana "jene
Frau" / nissi tanë "jene Frauen"
coa
enta "jenes
Haus [dort drüben]" / coar entë "jene Häuser"
aurë
yana "jener
Tag [in der Vergangenheit]" / auri yanë "jene Tage"
Wie im Fall von normalen
Adjektiven mit der Endung -a würden
die Pluralformen auf -ë für
archaische Formen auf -ai stehen (vandar sinai etc.) Indirekte Zeugnisse bestätigen, dass die
Demonstrativpronomen im älteren Elbisch die Pluralendung -i erhalten konnten: Im HdR, in der Inschrift auf dem Moria-Tor,
taucht die Sindarinwendung i thiw hin
auf, übersetzt mit „diese Runen“. Tolkien hätte sich das in einer
älteren Phase mit etwas wie in teñwâi sinâi
gedacht - und in Quenya würde aus einem älteren Plural-Demonstrativpronomen sinâi
“diese” erst sinai und dann sine.
Es ist nicht klar, ob die oben behandelten Demonstrativpronomen für sich allein auftauchen können, unabhängig und nicht nur in Verbindung mit Hauptwörtern. Können wir sina für „diese(r/s)“ in einem Satz wie „dies ist ein gutes Haus“ einsetzen? (Und wenn wir eine Pluralform „diese“ bräuchten, würden wir dann sina beugen wie ein Hauptwort, wenn es für sich alleine stehend auftaucht, so dass der Plural nun nicht mehr sinë lauten würde, sondern sinar?) In PM:401 finden wir den Satz sin quentë Quendingoldo. Tolkien lieferte keine Übersetzung, aber es muss entweder „dieser Quendingoldo sagte“ heißen oder „so sprach Quendingoldo“. In der letzteren Interpretation stünde sin als Adverb „so“, aber wenn sin „dieser“ bedeutet, wäre es das, was wir ein Demonstrativpronomen nennen - sina entsprechend, letzteres wäre aber ein Adjektiv, das in Verbindung mit einem Hauptwort auftaucht. Nach dieser Interpretation wäre es sin, statt sina, das wir in Sätzen wie „dies(es) ist ein gutes Haus“ oder „Ich habe dies gesehen“ verwenden müssten. (Und sollte das unabhängige Wort für „diese“ (Pl.) dann so etwas wie sini heißen?) Was die anderen Demonstrativwörter angeht, so haben wir ta als „unabhängige“ Form von „jene(r/s)“, entsprechend dem Adjektiv tana (siehe Etym, Eintrag ta). Von anderen, derartigen „unabhängigen“ Formen ist wenig oder gar nichts bekannt, und in den Übungen unten werde wir uns auf die adjektivischen Demonstrativwörter sina, tana, enta, yana konzentrieren, verwendet in Verbindung mit einem Hauptwort.