Frühes Qenya

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von Thorsten Renk

Frühe Qenya-Grammatik - was können wir lernen?

(Sammlung von Thorstens Essays und Kursen über Elbisch (englisch) mit dem Original dieses Aufsatzes: Parma Tyelpelassiva)

Übersetzung ins Deutsche: Katharina Golz

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Verwendete Abkürzungen:
Q: Quenya
EQ: Early Qenya
S: Sindarin
N: Noldorin
CE: Common Eldarin

PE: Parma Eldalamberon
VT: Vinyar Tengwar

Das jüngst erschienene Parma Eldalamberon 14 beinhaltet ziemlich vollständige Schriften über die Grammatik des frühen Qenya, ein (in äußerer Zeitbetrachtung) begrifflicher Vorgänger des späten Quenya. Da Tolkien in diesen Schriften tatsächlich eine vollständige Beschreibung eines grammatischen Systems gibt, hoffen wir, genügend Einsicht in die zugrunde liegenden Konzepte und Ideen zu gewinnen, dass sich unsere Analyse von Texten in ausgereiftem Quenya (und eventuell Sindarin) besser orientiert. Es ist die Absicht dieses Artikels, Möglichkeiten aufzuzeigen, wo das Manuskript unserem Verständnis für Quenya und Sindarin zugute kommen könnte.

1. Frühes Qenya ist anders

Jeder, der darauf gehofft hat, dass eine von Tolkien veröffentlichte Grammatik, zumindest zur Erörterung von Quenya, alle Probleme beseitigen würde, ist wahrscheinlich enttäuscht. Im Allgemeinen sehen wir alle eine Sprache, die eine Vielzahl von Ähnlichkeiten mit ausgereiftem Quenya aufweist, doch ebenso starke Unterschiede.

Als Beispiel: Die Deklination des Substantivs wird in PE14:43 für EQ: kalma (Licht) angesprochen:

EQ:

 

Sg: Nom: kalma Akk: kalmat Gen: kalman Dat: kalmar
 

Pl: Nom: kalmali Akk: kalmalin Gen: kalmalion Dat: kalmalir

Gegenüber ausgereiftem Quenya: Hier wurde das Wort Q: calma eher mit 'Lampe, Licht' übersetzt und die Deklination ist stark unterschiedlich:

Q:

 

Sg: Nom: calma Akk: calmá Gen: calmo Dat: calman
 

Pl: Nom: calmar Akk: calmai Gen: calmaron Dat: calmain

Was in EQ der reguläre Plural ist, wurde im Quenya der Partitive Plural calmali (einige, viele(?) Lampen) und Fallendungen sind auffallend verschieden.

Somit können wir nicht folgernd erwarten, dass eine Regel, die in der EQ Grammatik gefunden wurde, auch ein Gegenstück in der Grammatik des späten Quenya hat. Wenn wir jedoch einem Objekt in Quenya- oder Sindarin-Texten begegnen sollten, das einem Objekt in der EQ Grammatik ähnelt, und wenn die umrissenen Regeln der EQ Grammatik das Verhalten dieses Objekts verdeutlichen können, dann ist dies eine begründete Annahme, dass wir auf eine Idee gestoßen sind, welche im Laufe Tolkiens Prozess der Sprachgestaltung nicht verworfen wurde.

Die folgenden Abschnitte folgen keinem spezifischen Muster - sie befassen sich in einer eher zufälligen Reihenfolge nur mit bestimmten Punkten, welche von besonderem Interesse sein könnten.

2. Unpersönliche Konstruktionen, Passiv

Gelegentlich tauchen Verben, die als 'unpersönlich' gekennzeichnet sind, in unseren Quellen zu Quenya und Sindarin auf.

Im Sindarin können die folgenden unpersönlichen Verben identifiziert werden:

 

bui (Etymologies, Eintrag MBAW-)

Dieses wurde nicht übersetzt, sondern nur als unpersönlich gekennzeichnet, wie dem auch sei, die Übersetzung der Wurzel selbst lässt vermuten, dass es etwas wie 'es zwingt' bedeutet (mit einem gedachten Pronomen 'es', welches in der deutschen Übersetzung auftaucht - es ist logischerweise kein Subjekt vorhanden, da das Verb unpersönlich ist)

 

ail (Etymologies, Eintrag ULU-, taucht dort als oeil, eil auf)

Übersetzt mit 'es regnet'; als Herleitung aus *ulya gekennzeichnet, die nicht vorhandene Pronomenendung (und der konsequente Verlust der Endung -a) im Noldorin lässt stark annehmen, dass auch dieses Verb unpersönlich ist.

In Quenya ist noch einiges mehr an Informationen verfügbar:

 

óla- (NM:516)

'träumen' ist klar als unpersönlich identifiziert.

 

orë nin caritas (VT41:13)

Übersetzt mit 'ich will es tun', 'ich muss es tun'. Wörtlich, '[es] drängt mich es zu tun'


Die EQ Grammatik hat zwei unterschiedliche Verwendungen für 'unpersönlich'. PE14:56 besagt:

Note that the neuter (rem: i.e. the pronoun (h)a-) is never used as an impersonal subject: there is no prefix used at all in that case, as uqe 'it rains', tiqe 'it thaws'...

[Es sei angemerkt, dass das Neutrum (z.B. das Pronomen (h)a-) niemals als unpersönliches Subjekt gebraucht wird: es wird in diesem Fall überhaupt kein Präfix verwendet, wie uqe 'es regnet', tiqe 'es taut'...]

Dies fügt sich zu einem ziemlich eindeutigen Bild, dass Sätze in jeglicher Form des Elbischen kein Subjekt benötigen (sehr verschieden zum Deutschen, das ein 'es' einfügt wenn kein wirksames Mittel erkennbar ist, welches Dinge wie 'regnen' verrichtet).

Die drei Beispiele in Verbindung mit dem Wetter lassen vermuten, dass Elbisch generell kein Mittel benennt, welches das Wetter macht; somit würden 'es schneit', 'es ist kalt', 'es ist neblig', es ist windig' vermutlich alle zu Sätzen ohne Subjekt führen. Wie die anderen Beispiele zeigen, scheinen unpersönliche Konstruktionen auch gebraucht zu werden, um Umstände zu beschreiben, welche die Person, die das Subjekt zu diesen darstellt, nicht ändern kann (was oft unbewusste Entscheidungen sein können): Äußere Kräfte zwingen einen, etwas zu tun und ein Elb erlebt seinen Traum, er gestaltet ihn nicht bewusst. Aus orë nin caritas können wir folgern, dass die Person, die das Subjekt zu äußeren Umständen darstellt, im Dativ steht.


Als Vermutungen:

 

Q: ná ringa ([es] ist kalt) (nicht **nas ringa).
 

Q: ná ringa nin ([es] ist kalt für mich = mir ist kalt)
 

S: ring enni ([es ist] kalt für mich = mir ist kalt)


PE14:56 gibt dennoch eine zweite Definition zu unpersönlichen Konstruktionen:

The inflections of verbs are always pretty regular and consist of (a) no ending for singular (b) -r for the impersonal (distinct from the endingless form, e.g. uqe 'it rains', but tulir 'one goes, somebody goes').

[Die Beugungen der Verben sind immer sehr regelmäßig und bestehen aus (a) keiner Endung im Singular (b) -r als unpersönlichen Ausdruck (im Unterschied zur endungslosen Form, z.B. uqe 'es regnet', aber tulir 'man geht, jemand geht').]

Demnach haben wir die wirkliche unpersönliche Form oben angesprochen, bei der kein wirksames Mittel anwesend ist, welches eine Tätigkeit verrichtet, und wir haben eine zweite Form auf -r, welche gebraucht wird, wenn zwar ein Mittel vorhanden, dieses jedoch nicht bekannt oder zu identifizieren ist. Um eine Unterscheidung zwischen diesen beiden zu machen, werde ich mich auf die zweite Form als 'unspezifisch' anstatt als 'unpersönlich' beziehen.

Das Interessante bezüglich der unspezifischen Form ist, dass es benutzt werden kann, um ein Passiv auszudrücken: Der oben zitierte Abschnitt besagt weiter:

...this becomes a passive if pronomial elements are added, for these are in the accusative (rarely dative). In the first case (accusative) these still may retain (...) their accusative-position after the verb, but as the passive feeling has increased such expressions as ha-matsir 'it is soiled' are not unusual.

[...dies wird zu einem Passiv, wenn pronominale Elemente hinzugefügt werden, da diese im Akkusativ (selten im Dativ) stehen. Im ersten Fall (Akkusativ) behalten diese wohl noch (...) ihre Akkusativ-Position nach dem Verb, aber da das Gefühl für das Passiv zugenommen hat, sind Ausdrücke wie ha-matsir 'es ist beschmutzt' nicht unüblich.]

Wir könnten die Form wie folgt zerlegen: matsir (jemand beschmutzt), matsir ha (jemand beschmutzt es, Pronomen in Akkusativ-Position), ha-matsir (es ist beschmutzt, Pronomen an Nominativ-Position gestellt, so dass das Ganze als Passiv verstanden wird). (zum Vergleich, ha-matse wäre 'er beschmutzt').

Man fragt sich, ob dies auch der Grund für S: i sennui Panthael estathar aen (der Panthael genannt werden sollte) ist. Wenn man nur einen Augenblick annimmt, dass die Endung -r für den gleichen Zweck in Sindarin relevant ist, bekämen wir estathar (jemand wird nennen), mit dem Relativpronomen im Akkusativ (welches in diesem Kontext das Pronomen ersetzt) wäre dies i estathar (den jemand nennen wird = der genannt werden wird).

Der Gebrauch von -r in späten Quenya-Texten lässt jedoch vermuten, dass Tolkien diese Form verwarf: Laurië lantar lassi wird nicht mit 'jemand fällt goldene Blätter' übersetzt - so wird in Quenya -r nur verwendet, um bei einem Verb Plural anzuzeigen, wenn ein explizites Subjekt gegeben ist (wenn ein Subjekt in der 3. Person Plural als Verbendung ausgedrückt werden muss, wird -ntë oder -t verwendet, welche sehr verschieden zu -r sind). Dies bleibt auch in Sindarin bestehen: Man stelle Q: i carir quettar ómainen (die Worte mit Stimmen machen) und S: Dor Gyrth i chuinar (Land der Toten, die leben) gegenüber. Im Quenya folgt auf ein Relativpronomen im Plural ein Verb, das nur als Plural gekennzeichnet ist; das selbe scheint auch für Sindarin zu gelten, wir haben hier keinen Hinweis darauf, ob -r als 3. Person Plural gedacht ist oder als unspezifische Form.

Es ist anzunehmen, dass Tolkien am Ende seine beiden Definitionen zu unpersönlichen Konstruktionen kombinierte: Ein Quenya-Verb cenir ist in fast dem selben Sinne unpersönlich wie Q: orë oder EQ: uqe - es beinhaltet in keiner Weise ein Subjekt. Vielleicht entschied Tolkien später, dass Passiv statt durch Einsetzen eines unbestimmten Mittels, eher ausgedrückt wird indem man überhaupt kein Mittel einfügt, jedoch (optional) den Plural des Verbs bildet (so würden alte Konstruktionen, welche die Qenya-Endung -r verwenden weiterhin gültig sein). Folglich würde estathar wohl mit '[einige unspezifische Personen] werden nennen' übersetzt werden.

Es gibt noch ein weiteres Beweisstück, welches diese Annahme untermauert: Im 'Ataremma', gibt es die Zeile na care indómelya, welche 'dein Wille geschehe' bedeuten muss. Wenn man die vorhergehende Zeile aranielya na tuluva verwendet und dazu die wörtliche Übersetzung 'es sei, dass dein Reich kommen wird' nimmt um na als einen Optativ-Partikel, ähnlich nai, zu identifizieren, können wir annehmen, dass na care indómelya wörtlich mit 'es sei, dass [jemand] deinen Willen tut', und so mit einem unpersönlichem 'jemand', übersetzt wird (der Satz hat praktisch kein Subjekt). Eine solche Konstruktion würde sich gut in das oben beschriebene Konzept fügen.


3. Modal-Partikel für den Konditional und den Konjunktiv, Optativ

PE14:59 beschreibt die Konstruktion von Ausdrücken im Konditional und Konjunktiv:

(...) This is not expressed inflectionally but by particles, nai and ki, of which nai represents remoter possibility ('might'), ki nearer 'may'. The pure optative is also often expressed by nai or naike combined, at head of wish.

[(...) Dies wird nicht durch Beugung ausgedrückt, sondern durch die Partikel nai und ki, von denen nai die entferntere Möglichkeit ('vielleicht') darstellt, ki die nähere 'mag sein'. Der reine Optativ wird auch oft durch nai oder kombiniertes naike ausgedrückt.]

Dies scheint sehr stark mit spätem Quenya verbunden zu sein: Hier finden wir

 

Nai hiruvalyë Valimar! Nai elyë hiruva! (Vielleicht wirst du Valimar finden! Vielleicht wirst du es finden!)

wofür die EQ Erläuterung hilfreich ist, die Doppeldeutigkeit zwischen der Interpretation des Satzes als Wunsch und der Übersetzung mit 'vielleicht' aufzulösen. Sie erklärt auch

 

Nai tiruvantes i harar... (Er soll in der Obhut jener sein, die sitzen...)

Wir haben auch ein Beispiel für die zweite Form in ausgereiftem Quenya:

 

Lá caritas alasaila ké nauva (Es nicht zu tun, wäre möglicherweise unklug.) (VT42:34)

 

EQ: ki als Q: cé zu erkennen erleichtert die Interpretation des Satzes. Wir haben somit einen wirklichen Grund, anzunehmen, dass die Grammatik dieser Formen sich nicht sehr von der in Quenya unterscheidet. Also - wofür verwendet man sie und wie? Tolkien liefert Beispiele:

Zum direkten Gebrauch haben wir EQ: hi-tule ki (sie kommt vielleicht), welches wir mit tulis cé versuchshalber in ausgereiftes Quenya umschreiben können.

Mit mai (wenn), schreibt Tolkien, nai or ki are usually in apodosis [sind nai oder ki normalerweise in Apodosis] (d.h. sie erscheinen im zweiten Teil eines 'wenn'-Satzes). Somit:

 

EQ: mai ni-tule - tu-tulil (wenn ich komme - kommen sie)

Verwenden wir versuchshalber dass Element Q: *ai = 'wenn(?)', gelöst von aiquen (wenn jemand) (ich brauche nur etwas, um einen äquivalenten Quenya-Satz zu bilden, ich rechtfertige diese Entscheidung hier nicht wirklich), könnten wir folgendes bilden:

 

Q: Ai tulin, tulintë (Wenn ich komme, kommen sie.)

Wir haben mit Gewissheit ein Beispiel für das Futur (eine Form von Konditional...):

 

EQ: mai ni-tuluva - tu-tuluval. (Wann immer ich komme - kommen sie.)

 

Q: Ai tuluvan, tuluvantë. (Wann immer ich komme - kommen sie.)

Und wir sehen, dass das Modal-Partikel benötigt wird, um ein Konditional zu bilden, bei dem der Ausgang unsicher ist:

 

EQ: mai ni-tuluva - tu-tuluval ki. (Wenn ich komme, werden sie kommen.)

 

Q: Ai tuluvan, tuluvantë cé. (Wenn ich komme, werden sie kommen.)

Es gibt keine unmittelbare Relevanz für Sindarin. Wir haben dennoch Grund, anzunehmen, dass Modal-Partikel im Konjunktiv eine Eigentümlichkeit von Tolkiens Elbensprachen sind. Modal-Partikel liegen von Qenya zu Quenya fast unverändert vor, was eine Beständigkeit der Idee vermuten lässt. Weiterhin finden wir im 'Ataremma' na care indómelya, was schwer zu übersetzen ist, wenn man na als eine Form von 'sein' annimmt; es ergibt jedoch einen eindeutigen Sinn, wenn dieses na als Variante zu nai betrachtet wird, welches Optativ anzeigt. Nun taucht das selbe Partikel auch in na airë esselya (heilig sei dein Name) auf, welches seinem Sindarin-Gegenstück no aer i eneth lín strukturell sehr ähnlich sieht. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass auch im Sindarin der Konjunktiv ausgedrückt wird indem Modal-Partikel verwendet werden.

Mit diesem Ergebnis wenden wir uns wieder S: i sennui Panthael estathar aen zu. Mit den Begründungen des vorigen Abschnitts können wir S: i Panthael estathar leicht mit 'der Panthael genannt werden wird' übersetzen, oder, gemäß dem Beispiel Q: vanda sina termaruva (dieser Eid soll Bestand haben), evtl. auch mit 'der Panthael genannt werden soll'. Wir bräuchten korrekterweise ein Modal-Partikel um Konjunktiv auszudrücken und um 'soll > sollte' zu ändern. Die Kandidaten sind sennui und aen. Keines dieser beiden sieht aus, als wäre es mit EQ: nai, ki verwandt. Dennoch ersetzte aen ein ausgestrichenes ge (TolkLang 40.45), und dies führt möglicherweise zu EQ: ki Q: cé, damit ist aen der wahrscheinlichste Kandidat für das Modal-Partikel im Sindarin.


4. Die 'das(s)'-Frage

[Da es für einen Deutsch-Muttersprachler kein Problem sein dürfte, das Relativpronomen 'das' von der Konjunktion 'dass' zu unterscheiden, wird hier darauf verzichtet, den Unterschied zu erläutern. - Anmerkung der Übersetzerin]

Es ist eine Eigenheit des Englischen, dass für diese beiden Funktionen ein und dasselbe Wort 'that' benutzt wird. Einige Verfasser gebrauchten jedoch (zu beobachten im Sindarin) auch i (welches nur als bestimmter Artikel und Relativpronomen attestiert ist) um die Konjunktion 'dass' auszudrücken. Dies basiert insbesondere auf Tolkiens Anmerkungen, dass Q: nai in na + i ([es] sei, dass) zerlegt werden kann (RGEO:68).

In seiner Frühen Qenya Grammatik legt Tolkien jedoch deutlich den Unterschied zwischen Pronomen und Konjunktion dar. PE14:54 besagt:

 

The indeclinable relative pronoun is ya, which is either to be understood in any relation, or, very frequently, is defined by demonstrative or pronomial or adverbial words inside the relative clause.

 

The conjunction 'that' is ne and must not be confused.

[Das nicht deklinierbare Relativpronomen ist ya, welches entweder in jeglicher Beziehung verstanden wird, oder sehr häufig durch demonstrative oder pronominale oder adverbiale Wörter innerhelb des Relativsatzes definiert ist.

Die Konjunktion 'dass' ist ne und darf nicht verwechselt werden.]

Dies bestätigt im Grunde, dass Tolkien der Unterschied wohl bewusst war und er diesen zu der Zeit, da er Qenya entwarf, in seiner elbischen Sprache machen wollte. Ein weiteres ernstzunehmendes Problem für die Zerlegung von nai ist in PE14:57 zu finden, wo explizite Formen des Verbs 'sein' angegeben sind: e (i) (ist), il (sind), ir (man ist). Dennoch ist nai als Modal-Partikel erwähnt, welches den Konjunktiv/Optativ ausdrückt. Nur die Zerlegung in '[es] sei, dass' funktioniert in diesem Falle nicht. Zumindest in diesem Stadium hatte nai anscheinend einen ganz anderen Ursprung.

Wir haben noch weitere Argumente gegen den Gebrauch von i als Konjunktion in ausgereiftem Quenya: Erstens, den Satz Q: Merin sa haryalyë alassë (Ich wünsche, dass du Freude hast.) Wenn auch zweifelhaften Ursprungs, würde es mit der Annahme, dass Tolkien weiterhin einen Unterschied zwischen 'das' und 'dass' machte, konform gehen. Zweitens, im 'Ataremma' finden wir na in einer Funktion, die nai sehr ähnelt - das i wird hier offensichtlich nicht benötigt.

Die plausibelste Erklärung ist, dass Tolkien relativ spät entschied, dass sich die Form nai aus dem Stamm 'sein' und der Konjunktion 'dass' zusammensetzen sollte. Die Übersetzung des Namárië gibt dafür 'vielleicht' an, welches eher eine Möglichkeit als einen Wunsch beschreibt; die Auslegung desselben als 'es möge sein' scheint eher ein nachträglicher Gedanke gewesen zu sein. Wir müssen daraus schließen, dass zumindest spätes Quenya die Verwendung von i als Konjunktion 'dass' möglicherweise erlaubt (oder ist dies vielleicht nur ein Überbleibsel aus dem CE, welches in Zusammensetzung bestehen blieb, und i hat seither eine andere Bedeutung bekommen?), doch dies mag für frühes Material irrelevant sein.

5. Zahlen

Bis jetzt erscheint die einzige größere Zahl, von der wir herleiten könnten, wie Zahlen in der elbischen Sprache zusammengesetzt sind, im Königsbrief (SD:128-9): nelchaenen uin Echuir, was mit 'der einunddreißigste Tag der Regung' übersetzt wird. Basierend auf erin dolothen Ethuil (am achten Tag des Frühlings) und dem Wissen über toloth (acht) aus LR:394, könnten wir die Endung -en als die Endung auslegen, welche die Zahl 8 in die Ordnungszahl 8. verwandelt. Wenn dem so ist, bleibt uns nelchaen.

In PE14:49 sehen wir folgendes Schema:

Zahlen bis 10 werden mit einzelnen Worten dargestellt, welche ihren Äquivalenten in ausgereiftem Quenya ähneln, z.B. EQ: kanta (vier), lemin (fünf). Zahlen von 11 bis 19 werden (schematisch) gebildet, indem man den ersten Teil des einzelnen Zahlwortes vor kea (zehn) stellt, auch dies mag Abwandlungen unterliegen, so wie in minqe (elf). Zahlen größer als 12 scheinen jedoch sehr regelmäßig zu sein, z.B. kankea (vierzehn), lenkea (fünfzehn).

Das Schema ändert sich wieder sobald 20 erreicht ist: Das Element kea wird mit der beugsamen Endung -inen (diese wurde im ausgereiftem Quenya zum Instrumental) nun in den partitiven Fall gesetzt und wird zu kainen (von zehn). Also kankainen (vier von zehn; vierzig), aber kankea (vier UND zehn). Die letzte Dezimalstelle wird anschließend dargestellt, indem die Zahl davor geschrieben wird, also *kanta kankainen (44). Die Zahlen werden im Quenya genau entgegengesetzt dem Deutschen (bzw. Englischen) gebildet: Während es im Deutschen vier-tausend-fünf-hundert-zwei-(und-)dreißig hieße [das Umkehren der Einer- und Zehnerstellen ist nunmal eine Eigenart des Deutschen; im Englischen hieße es four-thousand-five-hundred-thirty-two], hätte Qenya *yúyo neldekainen lemin tuksa kanta húmi (zwei-dreißig-fünfhundert-viertausend).

Im Laufe seines Entwurfs, erwähnt Tolkien die Form EQ: nel(de)kainen (30). Die Ähnlichkeit ist auffallend, vergleicht man dies mit S: nelchaenen.

Vermutlich können die beiden Beweisstücke wie folgt in Einklang gebracht werden: Im Königsbrief bedeutet erin dolothen 'am achten', nelchaenen uin Echuir gebraucht dennoch eine andere Präposition und ist vermutlich eher 30 Tage von Beginn der Regung (es sei angemerkt, dass suilad uin aran 'Gruß vom König' bedeutet), deshalb könnten wir für nelchaen 'dreißig' annehmen. Wir kennen dennoch caer (zehn), attestiert in LR:363. Damit kommt die Frage auf, ob Noldorin, ähnlich Frühem Qenya, Überbleibsel einer gebeugten Form von caer gebraucht, um Zehner zu zählen. Wenn dem so ist, könnten wir *nelchaer (dreizehn) bilden, aber nelchaen (dreißig). Analog zu EQ würde die letzte Dezimalstelle dann vermutlich vorgestellt werden: S: *min nelchaen (31), S: *min tadchaen (21) und so weiter.

6. Pronomen - charakteristische Konsonanten

Die Diskussion von Pronomen stellt keine große Überraschung dar: Im Grunde 'entdecken' wir von neuem die Reihe charakteristischer Konsonanten, welche von ausgereiftem Sindarin und Quenya abgeleitet werden können:

Um die Präfixe der Verb-Beugung anzuführen (PE14:52):

 

Sg. 1. ni- 2. ke- 3. m. hu- f. hi- n. ha-

 

Pl. 1. me- 2. le- 3. m. tu- f. si- n. ta-

1. Pl hat auch qu-, und wir wissen um si < *ti.

Abgesehen von qu-, ist dies die bekannte Folge: n und m für die 1. Person Sg. und Pl. (vgl. S: nin (mir, zu mir) und mín (als 'wir' verwendet)), k und l für 2. Person (vgl. S: le (zu dir)), hier um eine Unterscheidung zwischen Sg. und Pl. zu machen, später vermutlich um zwischen vertrauter und höflicher Form zu unterscheiden, und schließlich s und t für die 3. Person (vgl. ho, he, ha, LR:385 Eintrag S-), hier wieder um eine Unterscheidung zwischen Sg. und Pl. vorzunehmen, was in ausgereiftem Quenya immer noch der Fall zu sein scheint, nicht jedoch in Sindarin, vgl. sellath dîn (alle seine Töchter). Also zeigt die Verbreitung charakteristischer Konsonanten an, dass der allgemeine Umriss des Pronomen-Systems ziemlich beständig war während des langen Prozesses der Erschaffung dieser Sprachen, obwohl Details sehr variieren.

Eine interessante Nebenbemerkung: In einer Erörterung der Änderung von Wurzel-Konsonaten, gibt Tolkien in PE14:66 das Beispiel

These relationships are equally important in the formative elements: for example

(...)

pronomial element ke as (...) kke,

[Diese Beziehungen sind ebenso wichtig in den formenden Elementen: zum Beispiel

(...)

pronominales Element ke als (...) kke,]

welches klar eine Form -kke für die 2. Person darlegt, welche, sofern sie nicht verworfen wurde, eventuell zu einer Verbendung -ch in Sindarin führen würde. Also ist die Annahme, dass -ch tatsächlich mit einer 2. Person verknüpft ist, nicht unbegründet; obwohl wir nicht in der Lage sind, die genaue Funktion dieser Endung herauszufinden. Ob dies für den unbeliebten Arphent Rían-Satz relevant ist, ist unklar.


7. Bildung des Imperfekts

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Die Beschreibung zur Bildung des Imperfekts in Frühem Qenya ist interessant, da einige Ideen anscheinend in Noldorin und Quenya bestehen bleiben:

The past stem is obtained by the suffix -ye, (...) -ie, or -ne, but -ie (the commonest) is normally accompanied by stem strengthening consisting of (1) a-infixion (2) n-infixion, (3) vowel lengthening (this last perhaps largely an analogical extension from the â in many stems...

[Der Stamm in der Vergangenheit wird durch das Suffix -ye, (...) -ie, oder -ne dargestellt, aber -ie (der gebräuchlichste) wird normalerweise von einer Verstärkung des Stammes begleitet, welche aus (1) a-Infixion (2) n-Infixion, (3) Vokal-Längung besteht (letzteres wahrscheinlich größtenteils eine analoge Erweiterung des â in vielen Stämmen...]

In Sindarin (oder dem Noldorin der Etymologies) würde finales -ie verloren gehen, aber wir finden das selbe Muster der Stamm-Verstärkung für die Bildung des Imperfekts der Noldorin-Verben (siehe 'The Past-Tense Verb in the Noldorin of the Etymologies', http://www.elvish.org/Tengwestie/articles/Hostetter/noldpat.phtml). Hier haben wir a-Infixion hal- -> haul (hob), n-Infixion, dag- -> danc (erschlug) und Vokal-Längung nidh- -> nídh (zerschlug).

Bis hin zu einem vorangestellten Augment ist das Suffix -ie außerdem der Perfekt-Bildung im Quenya sehr ähnlich: Hier finden wir Q: utúlie (gekommen) während EQ: túlie als Imperfekt ausgelegt ist. Andererseits scheint n-Infixion hauptsächlich gebraucht zu werden, um Imperfekt in Quenya anzuzeigen, also hatte Tolkien hier später offensichtlich eine Unterscheidung getroffen. (WJ:366 bestärkt die Existenz eines Imperfekts und eines Perfekts in Quenya als separate Objekte: In einer Erörterung des Verbs auta- findet man The most frequently used past and perfect were vâne, avânie (...) [Die am häufigsten gebrauchten Imperfekt- und Perfekt-Formen waren vâne, avânie (...)].

Aber in Sindarin waren Formen mit Augment und verstärktem Stamm-Vokal offensichtlich kein Perfekt: WJ:415 zeigt

*ekwê was probably a primitive past tense, marked as such by the 'augment' or reduplicated stem vowel. Past tenses of this form were usual in Sindarin 'strong' or primary verbs, as *akâra 'made, did' > S agor.

[*ekwê war wahrscheinlich ein primitiver Imperfekt, der als solcher durch das 'Augment' oder durch verdoppelten Stamm-Vokal gekennzeichnet war. Imperfekte mit dieser Form waren in Sindarin normalerweise 'starke' oder einfache Verben, wie *akâra 'machte, tat' > S agor.]

Wir begegnen eindeutig den selben Gedanken, z.B. n-Infixion oder eine Endung -ne einerseits, und Verstärkung des Stamm-Vokals mit oder ohne Verknüpfung mit einem Augment und die Endung -ie andererseits, in allen Abschnitten der Sprach-Evolution, aber die Details bleiben unklar. Nach der Anzahl der Beispiele für 'Stamm-Verben', die den Imperfekt mit -ie in EQ (PE14:58) bilden zu urteilen, und wenn man annimmt, dass diese beim Übergang zu Noldorin und Sindarin nicht zu Nasal Infixion verändert werden würden, macht die Anmerkung in WJ:415, dass diese Imperfekt-Formen 'üblich' waren, tatsächlich Sinn. Dennoch bleibt es unglücklicherweise ziemlich unklar, wie welche Stamm-Verben den Imperfekt in Sindarin bilden sollten.


8. Komparativ und Superlativ bei Adjektiven

In PE14:47 erfahren wir über die Bildung des Komparativs bei Adjektiven in Frühem Qenya:

Adjectives have two comparatives, (a) augmentative, (b) diminutive:

(a) -lda (...)

(b) -tsa

[Adjektive haben zwei Komparative, (a) augmentativ, (b) diminutiv:


(a) -lda (...)

(b) -tsa]


PE14:48 verrät etwas mehr darüber, wie Vergleiche anzustellen sind:

(...) This is shown by the choice of words for 'than': after -lda it is la 'before'; after -tsa it is no 'after'

[(...) Dies wird durch die Wahl des Wortes für 'als' gezeigt: nach -lda ist es la 'davor'; nach -tsa ist es no 'danach']

Dies zeigt einige Elemente, die auch in ausgereiftem Quenya vorhanden sind: VT42:32 stellt dar, dass Q: lá gebraucht wird, um Dinge zu vergleichen; es scheint dennoch nicht notwendig, eine Komparativ-Endung beizufügen um diese Form zu verwenden. Die Quenya-Form Q: malda (mehr) scheint die EQ-Endung trotzdem noch zu beinhalten. Nach allem, was wir wissen, scheinen diese Endungen, um Vergleiche im Quenya anzustellen, allgemein nicht vorhanden zu sein.

In Sindarin finden wir ein Präfix S: an- (PM:358) um den Komparativ zu bilden. Dieses ist wahrscheinlich mit dem intensivierenden Quenya-Präfix Q: an- (Briefe 278) verwandt, welches 'außerordentlich' bedeutet.

In PE14:48, erfahren wir auch etwas über den Superlativ:

The superlative is expressed by the comparative with prefixed article (...) followed by the genitive plural adjectival or partitive in -înen - the latter especially of collectives, as:

(...)

i-ner i-táralda 'n-Noldolion 'the tallest man of the Gnomes'

[Der Superlativ wird mit dem Komparativ und vorangestelltem Artikel ausgedrückt (...), welcher vom Genitiv Plural adjektivisch oder partitiv auf -înen gefolgt wird - letzteres speziell für Gruppen, wie:

(...)

i-ner i-táralda 'n-Noldolion 'der größte Mann der Gnomen']

Der Gedanke, den Superlativ durch eine Konstruktion zu bilden, die den Genitiv beinhaltet, scheint auch in Quenya gültig zu sein: Hier haben wir ancalima elenion (hellster unter den Sternen), welches ein intensivierendes Präfix statt einer (vermutlich aufgegebenen) Komparativ-Endung gebraucht. Auf den ersten Blick, scheint Sindarin anders zu sein: Der Name Tom Bombadils lautet Iarwain ben-adar (Ältester ohne Vater), und daher ließe sich auf das Suffix -wain schließen. Dies ist sicher weit hergeholt, aber man fragt sich, ob dieses nicht auch als Genitiv interpretiert werden kann: 'alt unter allen'.

Sindarin erlaubt offensichtlich, den Genitiv durch Wort-Stellung auszudrücken, vgl. peth lammen (Wort meiner Zunge). Es ist unwahrscheinlich, dass die CE-Wurzel von pan (alles) PAN ist (jenes würde mit einer Wurzel mit der Bedeutung 'Brett' nicht zusammenpassen), es ist wahrscheinlich eher mit KWAN verbunden - letztlich finden wir die Wurzel KWAT (voll), welches der Bedeutung nahe kommt. Man fragt sich, ob eine Verknüpfung YAR-KWAN eventuell mit iarwain 'alt unter allen' enden könnte, obwohl dies nicht die übliche Entwicklung dieses Klanges darstellen würde.


9. Danksagungen

Ich möchte mich bei Aelfwine und Pengolodh für ihre hilfreichen Kommentare zum Entwurf dieses Artikels bedanken.

Thorsten Renk

thorsten@sindarin.de