![]()
![]()
![]()
Autor: Thorsten Renk, Übersetzung Katharina Golz
Verwendete Abkürzungen:
S: Sindarin
Q: Quenya
OS: Old Sindarin
N: Noldorin
CE: Common Eldarin
PQ: Primitive Quendian
WJ: The War of the Jewels
LR: The Lost Road
PM: The Peoples of Middle-Earth
PE: Parma Eldalamberon
VT: Vinyar Tengwar
Der folgende Artikel ist ein
Versuch, einige Ideen zur Systematik des Sindarin Verben-Systems zu präsentieren.
Er bezieht sich im Besonderen auf Carl F. Hostetters Artikel The
Past-Tense Verb in the Noldorin of the Etymologies . Der Artikel ist als
Richtlinie für diejenigen gedacht, die Sindarin verwenden wollen um Texte zu
verfassen, und beinhaltet somit plausible (jedoch nicht belegte) Spekulationen -
diese mögen falsch sein oder nicht, was nicht leicht zu sagen ist. Als Quellen
werden das Noldorin der Etymologies und die späteren Sindarin-Beispiele
herangezogen, was in gewissem Maße strittig sein könnte, doch gibt es nicht
viel Auswahl wenn man mit der praktischen Frage konfrontiert wird, welche Form
zu verwenden ist. Darum werden im Folgenden Verben als Noldorinformen angeführt
wenn es sich um Beispiele aus den Etymologies handelt, aber (wohlbekannte)
Lautveränderungen werden durchgeführt um die beste Vermutung aufzuzeigen, wie
die entsprechende Sindarinform aussehen könnte wenn tatsächlich Hinweise zur
Verbkonjugation vorhanden sind.
Einige grundlegende Phänomene der elbischen Phonologie, die wir im Folgenden häufig
gebrauchen werden, sind:
| Sindarin-Wörter unterliegen i-Umlautung, d.h. wenn die Endung eines Verbs den Vokal -i- beinhaltet, passen sich die anderen Vokale innerhalb dieses Verbs wie folgt an: a -> e, o -> e und u -> y. Ein Beispiel wäre die Infinitiv Endung -i, welche von echad- zu echedi (gestalten) führt (LR:363). | |
| einzelne Konsonanten, die einem Vokal folgen unterliegen in der Entwicklung von CE-Wurzeln zu Sindarin-Worten der Lenition, somit bringt die primitive Wurzel NOT das Verb gonod- (mit Präfix) hervor und nicht **gonot- | |
| Vokale primitiver Wurzeln werden verschoben - am auffälligsten ist, dass primitives -u- im Sindarin als -o- erscheint, aber diese Verschiebung findet unter bestimmten Umständen nicht statt, zum Beispiel wenn die Kombination -nc dem -u- folgt. Als Beispiel dient hier das Verb *sog- (trinken) (LR:388) - es ist abgeleitet von einer primitiven Wurzel SUK, sein Präsens ist sôg (dieses zeigt zusätzlich Lenition) und wenn Endungen vorhanden sind, wird es höchstwahrscheinlich durch i-Beeinflussung zu *segin (ich trinke), aber das Imperfekt beinhaltet die Kombination -nc und so taucht der originale Vokal der Wurzel in sunc (trank) wieder auf. | |
| Vokale, die in OS/ON lang sind, unterliegen charakteristischen Verschiebungen é -> í, ó -> ú und á -> au/o. Im letzten Beispiel bleibt -au- in einsilbigen Wörtern erhalten, während es in Wörtern mit mehr als einer Silbe zu -o- oder -ó- wird. Ein Beispiel ist das Imperfekt von *anna- (geben), welches *aun (gab) ist, sobald Endungen vorhanden sind aber zu ónen wird und nicht zu **aunen (ich gab). | |
| ein Nasal, welcher an eine Wurzel gehängt wird, die in einem Stopp-Konsonanten endet, tauscht häufig die Position mit dem Stopp. Das oben erwähnte Imperfekt sunc (trinken) ist vermutlich vom primitiven PQ: *suk-nê abgeleitet, welches später zum weniger unpraktischen CE: *sunkê -> N: sunc wurde. Dieses Phänomen wird 'nasale Infixion' genannt. |
Detailliert aufzuzeigen, wie
es zu diesen Regeln kommt, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Manchmal
kommen mehrere dieser Regeln zusammen und bringen Ergebnisse hervor, welche auf
den ersten Blick eher überraschend aussehen. Wir wissen nicht sicher, ob diese
wirklich in Tolkiens Sinn wären, oder ob es uns unbekannte Ausnahmen gibt.
Unsere beste Vermutung ist also nur, diesen Regeln zu folgen.
Im Folgenden werden wir uns des öfteren auf 'schwache' oder 'starke'
Imperfekt-Bildung beziehen. Damit ist gemeint, dass das Imperfekt gebildet
werden kann, indem eine Endung an den Verbstamm gehängt wird (das wäre
'schwach'), oder durch Modifikation des eigentlichen Verbstammes (das wäre
'stark'). Zum Beispiel verändert die oben erwähnte nasale Infixion den
Verbstamm, und ist damit eine starke Imperfekt-Bildung.
Wir können zwei Hauptklassen
von Verben unterscheiden, welche von Tolkien als 'schwache' und 'starke' oder
'primäre' und 'abgeleitete' Verben bezeichnet wurden (siehe z.B. WJ:415). Primäre
Verben zeigen eine Grundform, die eigentlich die zugrunde liegende CE-Wurzel
ist, welche durch Lautverschiebungen in der Entwicklung von CE zu Noldorin/Sindarin
modifiziert ist, vgl. RIP, welches das Verb rhib- (tosend fließen)
(LR:384) hervorbringt. Im Gegensatz dazu werden abgeleitete Verben gebildet
indem eine ableitende Endung an die CE-Wurzel gehängt wird; die gebräuchlichsten
Endungen sind -jâ und -tâ. Ein Beispiel ist die Wurzel MÔ:
das primitive CE: môta bringt Q: móta- hervor und N: *muda-
(attestiert ist der Infinitiv mudo) (hart arbeiten) (LR:373).
Die Konzeption der Verb-Konjugation, welche in den attestierten Beispielen in
den Etymologies und anderswo auftaucht, zeigt jedoch ein großes Modell von
Unterteilung dieser Hauptklassen auf; es gibt mehrere verschiedene Möglichkeiten,
diese vielen Zeitformen zu bilden und es sind eindeutig einige ältere Formen
durch Analogien zu anderen ersetzt worden. Diese Klassen sind keinesfalls
festgeschrieben. Im Verlauf der (fiktionalen) Evolution der Sprache hatte
Tolkien offenbar im Sinn, dass Verben von einer Klasse in eine andere übergehen
können; es kann zum Beispiel für ein Verb mehr als eine Möglichkeit geben,
das Imperfekt zu bilden.
Diese Verb-Klasse scheint eng
mit den zugrunde liegenden CE-Formen verknüpft zu sein, da viele
Bildungselemente im Sindarin als auch im Quenya vorkommen. P1 Verben zeigen
Infinitive in -i (vgl. echedi von et-kat (gestalten)
(LR:363)) und Bildung des Imperfekts durch nasale Infixion (vgl. echant).
Wir sehen ähnliche Imperfekt-Bildungen im Quenya; vgl. Q: quentë
(sprach) (PM:401) mit dem Infinitiv Q: quetë (sprechen) (VT41:6) und das
Sindarin-Imperfekt S: pent (sagte), welches vermutlich einem Verb *ped-
mit dem Infinitiv *pedi entspricht.
Wie das Beispiel pêd (von guren bêd enni (mein Herz sagt mir)
(VT41:11)) zeigt, wird die Grundform (3. Person) eines Verbs dieser Klasse
offenbar durch Längung des Stammvokals gebildet.
Wir haben kein wirklich klares Beispiel dafür, wie das Präsens von Verben
dieser Klasse aussieht wenn Endungen angehängt werden (es gibt ú-chebin
(ich behalte nicht) aus Gilraens linnod, aber wir kennen den Infinitiv dieses
Verbs nicht und es fällt vielleicht in die nächste Klasse), aber allgemeine
Grundsätze machen es sehr wahrscheinlich, dass Endungen im Präsens durch den
Bindevokal -i- mit dem Stamm verbunden werden sollten.
Das Beispiel *had- (schleudern) (LR:363) mit dem Infinitiv hedi
und dem Imperfekt hant (*schleuderte), hennin (*ich schleuderte) lässt
annehmen, dass das Imperfekt der P1 Verben ebenfalls -i- gebraucht um die
Endung mit der Grundform des Imperfekt zu verbinden.
Es ist kein Beispiel für das Futur attestiert, weswegen es bloße Vermutung
ist, dass ebenfalls ein -i- als Bindevokal eingeschoben wird um die
Endung -tha anzuhängen (welche andererseits nur als Endung für
abgeleitete Verben attestiert ist). Abgeleitete Verben erfordern jedoch keinen
Bindevokal, der im Futur eingefügt werden müsste.
Das Partizip Perfekt Passiv (PPP) kann aus der Wurzel NDAK gefolgert
werden, welche ein Verb *dag- (erschlagen) mit dem Infinitiv degi
und dem Imperfekt danc und dem PPP dangen (erschlagen)
hervorbringt - dieses Verb gehört jedoch halbwegs schon in die nächste zu
diskutierende Klasse (A1).
Das Gerund kann aus gonod- (zählen) (LR:378) und der abgeleiteten Form aronoded
(unzählbar) geschlossen werden - es wird offenbar gebildet indem -ed an
die Grundform angehängt wird.
Es können keine Beispiele für die Partizipien Präsens und Perfekt Aktiv
gefunden werden - die beste Vermutung ist, dass sie gebildet werden indem die
Endung -el bzw. -iel angehängt wird; für die letzte Form wird
wahrscheinlich der Stammvokal gelängt und verändert sich im Übergang von ON
zu N (OS zu S) gemäß den oben beschriebenen Regeln.
Somit haben wir die Musterkonjugation:
Klasse P1
Stamm: *ped- (sprechen) Infinitiv: *pedi (sprechen)
Präsens: pêd (spricht) mit Endungen *pedin (ich spreche)
Imperfekt: pent (sprach) mit Endungen *pennin (ich sprach)
Futur: *peditha (wird sprechen) mit Endungen *pedithon (ich werde
sprechen)
Aktive Partizipien: *pedel (sprechend) pídiel (gesprochen habend)
Passives Partizip: *pennen (gesprochen) Gerund: peded ([das]
Sprechen)
Es scheint eine Klasse von
Verben zu geben, die man verstehen kann, wenn man annimmt, dass einige Formen
der (zahlreicheren) abgeleiteten Verben angefangen haben, die 'genuinen' älteren
Formen der P1-Konjugation zu ersetzen. Der erste Hinweis ist das Verb dag-
(erschlagen), welches sowohl das Imperfekt danc (entsprechend P1) als
auch degant hat. Die zweite Form zeigt die Endung -ant, welche wie
ein übliches Imperfekt abgeleiteter Verben aussieht; vgl. CE: tirjâ N: *tiria-
(beobachten) (LR:394) mit dem Imperfekt tiriant (*beobachtete). Diese
Endung wurde jedoch an eine Form gehängt, welche im Inneren i-Umlautung
aufweist, was anzeigt, dass die Endung vielleicht eigentlich an den Infinitiv
des Verbs gehängt wird (wobei finales -i verloren geht), somit kommt es
nicht zu **dagant, sondern zu degant. Das Verb treneri
(welches unten diskutiert werden wird) weist mit trenerant eine ähnliche
analoge Bildung des Imperfekts auf.
Aber es gibt Verben, deren Analogie sogar noch weiter geht - diese zeigen
Infinitive auf -o (wie es bezeichnend für abgeleitete Verben ist) und
mindestens ein mögliches Imperfekt auf -ant (da aber der Infinitiv auf -o
keine i-Umlautung auslöst, ist das Imperfekt ebenfalls nicht von i
beeinflusst).
Das grundlegende Beispiel ist sog- (trinken) (LR:388) mit dem Infinitiv sogo,
Präsens sôg und Imperfekt sunc, sogant. Hier wurde der
Stammvokal in der ersten Imperfekt-Form zu -u-, was die Tatsache
widerspiegelt, dass die zugrunde liegende Wurzel SUK ein -u-
beinhaltet und dieses bestehen bleiben kann, wenn es durch die Kombination -nc
'geschützt' wird, welche durch die nasale Infixion im Imperfekt hervorgerufen
wurde.
Wenn wir die Theorie aufstellen, dass die Endungen wirklich analog angehangen
wurden, können wir annehmen, dass der Bindevokal für die Endungen im Präsens -i-
und im Imperfekt -e- (siehe das Beispiel dravo aus der Klasse A2
unten) ist; also *segin (ich trinke), aber *sungen, *sogannen (ich
trank).
Da diese Verben zunehmend Ähnlichkeiten mit abgeleiteten Verben aufweisen, ist
die beste Vermutung für das Futur, für jedes primäre Verb, welches ein
Imperfekt in -ant aufweist, den Bindevokal -a- einzufügen, es
gibt jedoch keine attestierten Beispiele. Somit *sogatha (wird trinken)
oder *degatha (wird erschlagen), letzteres in der Annahme, dass die selbe
interne i-Umlautung wie bei der Bildung des Imperfekts auftritt.
Die Form sogannen (LR:388 ) ist vielleicht die 1. Person Sg. des
Imperfekts oder des PPP - das ist schwer zu sagen. Wenn es sich um ein PPP
handelt, könnte dieses durch die Endung -en abgeleitet sein, welche an
das analoge Imperfekt in -ant gehängt wurde. Andererseits ist die Form dangen
(erschlagen) (LR:375) augenscheinlich von dem ursprünglichen Imperfekt danc
und nicht von der analogen Form degant abgeleitet. Belegt durch die
Wurzeln NAR und TIR lässt sich dennoch annehmen, dass das PPP zu
der alten Form tendiert und wahrscheinlich eher von dem ursprünglichen und
nicht von dem analogen Imperfekt abgeleitet werden sollte; somit *sungen
(getrunken).
Für das Gerund stehen keine attestierten Beispiele zur Verfügung. Die
allgemeine Urteilsführung lässt annehmen, dass Gerunde auch eher alte
Konstruktionen sind und eher die ursprüngliche als die analoge Form aufzeigen,
mehr sogar, da das Präsens von A1 Verben identisch mit dem Präsens von P1
Verben ist. Das Gerund wird also wahrscheinlich mit der Endung -ed
gebildet; somit *soged ([das] Trinken) *daged ([das] Erschlagen).
Es können keine Beispiele für das Partizip Präsens Aktiv und das Partizip
Perfekt Passiv gefunden werden - die beste Vermutung ist, dass sie gebildet
werden, indem die Endung -el bzw. -iel angehängt wird; bei der
letzten Form wird der Stammvokal wahrscheinlich gelängt und verändert sich
beim Übergang von ON zu N (OS zu S) gemäß der oben beschriebenen Regeln.
Eine Musterkonjugationen können wir wie folgt aufstellen:
Klasse A1a (nur analoges Imperfekt)
Stamm: dag- (erschlagen) Infinitiv: *degi (erschlagen)
Präsens: dâg (erschlägt) mit Endungen *degin (ich erschlage)
Ursprüngliches Imperfekt: danc (erschlug) mit Endungen *dengin
(ich erschlug)
Analoges Imperfekt: degant (erschlug) mit Endungen *degannen (ich
erschlug)
Futur: *degatha (wird erschlagen) mit Endungen *degathon (ich
werde erschlagen)
Aktive Partizipien: *dagel (erschlagend) *dógiel (erschlagen
habend)
Passives Partizip: dangen (erschlagen) Gerund: *daged ([das]
Erschlagen)
Klasse A1 (Infinitiv, Imperfekt und vermutlich Futur analog)
Stamm: sog- (trinken) Infinitiv: sogo (trinken)
Präsens: sôg (trinkt) mit Endungen *segin (ich trinke)
Ursprüngliches Imperfekt: sunc (trank) mit Endungen *sungen (ich
trank)
Analoges Imperfekt: sogant (trank) mit Endungen *sogannen (ich
trank)
Futur: *sogatha (wird trinken) mit Endungen *sogathon (ich werde
trinken)
Aktive Partizipien: *sogel (trinkend) *súgiel (getrunken habend)
Passives Partizip: sogannen, vielleicht ebenso *sungen (getrunken)
Gerund: *soged ([das] Trinken)
Verben dieser Klasse scheinen
sich, abgesehen von einer Eigentümlichkeit bei der Bildung des Imperfekts,
nicht von der Klasse P1 zu unterscheiden. Wir haben das attestierte haf-
(sitzen) (VT:45) aus der Wurzel KHAM mit dem Imperfekt hamp (saß)
und hemmin (ich saß). Dieses sieht fast wie ein P1 Verb aus, außer dass
das Imperfekt hamp aussieht, als wäre es durch nasale Infixion von einer
Wurzel KHAP abgeleitet - dies kann natürlich kaum der Fall sein, daher
ist das Erscheinen des -p überraschend. Wahrscheinlich hat sich diese
Form analog zu den zahlreicheren Endungen -mp entwickelt, welche von
nasaler Infixion herrührt, die auftritt, wenn die Wurzel auf einen
Stoppkonsonanten endet. Die Tatsache, dass der Bindevokal im Imperfekt -i-
ist und nicht -e-, könnte etwas Sicherheit verschaffen, dass der
Infinitiv dieses Verbs *hevi wäre und dass es nicht durch weitere
Analogien zu abgeleiteten Verben beeinflusst wurde. Leider ist diese
Interpretation nicht problemlos, da das Verb ein alternatives Imperfekt hafant
hat, welches auf einen Infinitiv *havo hindeutet, da das analoge
Imperfekt keiner i-Umlautung unterliegt, d.h. dass wir kein **hevant,
analog zu degant vorfinden. Diese Tatsache im Hinterkopf behaltend,
werden wir das Verb hier dennoch als das beste Beispiel aufführen, über
welches wir auf die Klasse P2 schließen können. Seine Konjugation könnte wie
folgt aussehen:
Klasse P2 (primäre Verben, die auf Nasal enden)
Stamm: haf- (sitzen) Infinitiv: *hevi (sitzen) oder *havo
(sitzen)
Präsens: hâf (sitzt) mit Endungen *hevin (ich sitze)
Imperfekt: hamp (saß) mit Endungen hemmin (ich saß)
Analoges Imperfekt: hafant mit Endungen *hafannen (ich saß)
(wahrscheinlich nicht für alle P2 Verben gültig)
Futur: *hevitha (wird sitzen) mit Endungen *hevithon (ich werde
sitzen)
Aktive Partizipien: *havel (sitzend) *hóviel (gesessen habend)
Passives Partizip: *hammen (gesessen) Gerund: *haved ([das]
Sitzen)
Wir wissen nicht sicher ob andere Verben mit Wurzeln, die in Nasalen auslauten,
sich auch entsprechend des -mp im Imperfekt verhalten würden - es
erscheint dennoch möglich.
Es überrascht nicht weiter,
dass es auch Belege gibt, dass Verben, die auf Nasal enden durch Analogien zu
abgeleiteten Verben beeinflusst werden können. Das beste Beispiel ist das Verb dravo
(schlagen), welches von der Wurzel DARAM abgeleitet ist und das
archaische Imperfekt dramp (schlug) mit drammen (ich schlug) und
dem zusätzlichen Imperfekt dravant (schlug) aufweist. Dies ist der beste
Beleg dafür, dass die Klassen der A-Verben, selbst für das ursprüngliche
Imperfekt (da das analoge Imperfekt *dravannen wäre), ihr Imperfekt mit
dem Bindevokal -e- statt -i- zeigen würden. Wir können wohl
voraussetzen, dass diese Klasse neben dem leicht unregelmäßigen -p im
Imperfekt allgemein dem Muster der A1 Verben folgt:
Klasse A2 (Infinitiv, Imperfekt und vermutlich Futur analog)
Stamm: draf- (schlagen) Infinitiv: dravo (schlagen)
Präsens: *drâf (schlägt) mit Endungen *drevin (ich schlage)
Ursprüngliches Imperfekt: +dramp (schlug) mit Endungen drammen
(ich schlug)
Analoges Imperfekt: dravant (schlug) mit Endungen *dravannen (ich
schlug)
Futur: *dravatha (wird schlagen) mit Endungen *dravathon (ich
werde schlagen)
Aktive Partizipien: *dravel (schlagend) *dróviel (geschlagen
habend)
Passives Partizip: *drammen, vielleicht auch *dravannen
(geschlagen) Gerund: *draved ([das] Schlagen)
Es gibt eine Klasse von primären
Verben, bei der sich keine nasale Infixion beobachten lässt, sondern eine Verstärkung
des Stammvokals - entweder durch Längung oder durch a-Infixion. Ein gutes
Beispiel ist heli (heben) aus der Wurzel KHAL (da der Stamm
offenbar hal- ist) mit dem Imperfekt haul. Für einige Verben ist
diese Bildung möglicherweise schon im CE gegenwärtig gewesen, da Quenya das
Imperfekt auf ähnliche Weise bildet, vgl. undulávë (ertränkt, "downlicked")
im Namárië aus dem Verb lav- (LR:367).
Für andere könnte sich dieses Imperfekt jedoch erst später entwickelt haben.
Der Eintrag NAR2 der Etymologies (LR:374) und die Informationen aus 'Addenda
and Corrigenda' können helfen, etwas Licht in die Sache zu bringen: wir finden
das ON Imperfekt narne, aber uns ist ein poetisches Noldorin-Imperfekt narante
gegeben und das zusammengesetzte Verb treneri (wahrscheinlich abgeleitet
von tre-nar- (durch-erzählen)) hat das Imperfekt trenor, von
welchem angenommen wird, dass es ein Zwischenglied *trenaur darstellt,
bei dem wir wieder Verstärkung des Stammvokals beobachten können. Demnach könnte
es gut möglich sein, dass für einige Verben Verstärkung des Stammvokals zur
Bildung des Imperfekt eine relativ neue Entwicklung ist.
Der Eintrag TIR (LR:394) in Verbindung mit dem Partizip tirnen
(bewacht) in Talath Dirnen (UT:465) kann noch etwas mehr an Informationen
beisteuern: das Partizip weißt wieder eine ON Imperfekt-Endung -ne auf,
welche an den Stamm gehängt wurde - das Noldorin Imperfekt scheint dennoch,
analog zu NAR, tiriant zu sein; diese Form der Beugung scheint
irgendwo beim Übergang von ON zu N verloren gegangen zu sein.
Schließlich hat 'Addenda and Corrigenda' ein Verb *nidh- (verletzen,
quetschen) aus der Wurzel NID2 mit einem (angenommenen) Imperfekt nîdh
und entsprechendem ON Imperfekt níde. Tolkien diskutiert diese Bildung
des Imperfekts in seiner Frühen Qenya-Grammatik (leider jedoch für eine andere
Sprache):
The past stem is obtained by the suffix -ye, (...) -ie, or -ne,
but -ie (the commonest) is normally accompanied by stem strengthening
consisting of (1) a-infixion (2) n-infixion, (3) vowel lengthening (this last
perhaps largely an analogical extension from the â in many stems.
[Der Stamm der Vergangenheit wird durch das Suffix -ye, (...) -ie
oder -ne erhalten, aber -ie (der gebräuchlichste) wird
normalerweise von einer Verstärkung des Stammes begleitet, welche aus (1)
a-Infixion (2) n-Infixion, (3) Vokal-Längung besteht (letzteres wahrscheinlich
größtenteils eine analoge Erweiterung des â in vielen Stämmen.]
(aus PE14)
Außer *nidh- haben jedoch alle anderen attestierten Verben, die ihr
Imperfekt auf diese Weise bilden, einen Stammvokal -a- oder -u- in
ihrer CE-Wurzel und können durch a-Infixion erklärt werden; es ist also nicht
unmöglich, dass das Szenario des Frühen Qenya ebenso im Noldorin abläuft und
dass Längung des Stammvokals nur eine spätere Entwicklung ist.
Dies macht folgendes Szenario vorstellbar: Verben, deren Wurzel in einem
stimmhaften Stopp b, d oder g endet und deren Stammvokal a oder u ist, könnten
gut ein bevorzugtes ursprüngliches Imperfekt durch Verstärkung des
Wurzelvokals haben, vgl. Q: lávë (leckte), welches N: *lhauf
(leckte) denkbar macht. Für Verben mit Stämmen, die auf Liquid r, l enden,
oder Stämme in b, d, g mit anderen Stammvokalen als a oder u, würde
andererseits diese Bildung nicht die ursprüngliche sein; ein älteres Imperfekt
in -ne könnte noch immer in einigen Formen wie den Partizipien zu sehen
sein, eine Vermutung für 'erzählt' wäre also *narnen. Tatsächlich
finden wir für die Wurzel WED ein Verb gwedi (binden) mit
Imperfekt gwend - welches nasale Infixion aufweist, da der Stammvokal e
ist, und nicht a oder u.
Ebenso finden wir das Quenya-Imperfekt carnë (*machte) (LR:362), aber
die Sindarinform ist agor (WJ:415). Diese Form zeigt zusätzlich zur
Verstärkung des Stammvokals ein 'Augment', eine Wiederholung des Stammvokals
als Präfix (dies scheint übrigens der Bildung des Perfekt *acárië im
Quenya sehr ähnlich zu sein) - aber es ist attestiert in 'Quendi and Eldar',
eine viel spätere Quelle als die Etymologies - es ist sicherlich weit
hergeholt, aber vielleicht sollte es in dem späten Entwurf zusätzlich zur
Verstärkung des Stammvokals ein Augment geben? Wir wissen es nicht, aber wir
werden diesen Entwurf im Folgenden übernehmen.
Keines dieser Wörter zeigt klar an, welche Bindevokale verwendet werden könnten,
wenn Endungen vorhanden sind - aber da sie Infinitive in -i bilden,
scheint es begründet, anzunehmen, dass sie dem regulären Schema folgen würden
und im Präsens -i- einfügen. Für das Imperfekt ist eine Form bekannt,
wo ein abgeleitetes Verb ein Imperfekt durch Verstärkung des Stammvokals zeigt:
ónen (ich gab) und ein anderes, wo eine Form mit Augment agor
eine Endung erhält: agorech (was auch immer -ch hier sein soll,
der Bindevokal ist -e-). Daraus können wir wohl schließen, dass -e-
der wahrscheinlichste Bindevokal im Imperfekts dieser Klasse ist. Für das Futur
können wir uns wohl wieder der Klasse P1 zuwenden und als beste Vermutung ein -i-
ausprobieren.
Somit können wir folgendes versuchen:
Klasse P3 (primäre Verben, die in Liquiden oder stimmhaften Stopps enden)
Stamm: *hal- (heben) Infinitiv: heli (heben)
Präsens: *hâl (hebt) mit Endungen *helin (ich hebe)
Imperfekt: haul (hob) mit Endungen *holen (ich hob)
Futur: *helitha (wird heben) mit Endungen *helithon (ich werde
heben)
Aktive Partizipien: *halel (hebend) *hóliel (gehoben habend)
Passives Partizip: *holen (gehoben) Gerund: *haled ([das] Heben)
Stamm: *nidh- (verletzen) Infinitiv: *nidhi (verletzen)
Präsens: *nîdh (verletzt) mit Endungen *nidhin (ich verletze)
Imperfekt: nîdh (verletzte) mit Endungen *nídhen (ich verletzte)
Futur: *nidhitha (wird verletzen) mit Endungen *nidhithon (ich
werde verletzen)
Aktive Partizipien: *nidhel (verletzend) *nídhiel (verletzt
habend)
Passives Partizip: *nídhen (verletzt) Gerund: *nidhed ([das]
Verletzen)
Zufällig scheinen Präsens und Imperfekt ohne Personendung beide nîdh
zu lauten und können nicht unterschieden werden. Wer jedoch denkt, dass dies
ein größeres Problem darstellen würde darf gerne versuchen herauszufinden,
welche Zeit 'You hurt me.' sein soll - Englisch hat das gleiche Problem.
Es ist nicht weiter überraschend,
dass auch für diese Verbklasse analoge Bildungen vorhanden sind. Es sind
schwache Spuren von ihnen im alternativen Imperfekt trenerant zu treneri
zu finden, welches augenscheinlich wieder der i-Umlautung unterliegt und
voraussichtlich direkt vom Infinitiv abgeleitet ist, indem das finale -i
weggelassen wurde. Die Bildung scheint stark analog zu der von uns als A1a
bezeichneten Klasse zu verlaufen.
Für andere Verben sehen wir wieder deutliche Abweichungen von dem, was
wahrscheinlich die ursprüngliche Entwicklung (P3) bei Infinitiv und Imperfekt
ist; Beispiele sind naro (erzählen) mit dem Imperfekt narante, garo
mit dem Präsens gerin (ich halte) und dem Imperfekt garant (Addenda
and Corrigenda) und melo (lieben) mit dem Imperfekt melant (Addenda
and Corrigenda). Da der Infinitiv dieser Formen in -o endet, weisen sie
abermals keine innere i-Umlautung auf. Und da das Imperfekt dieser Klasse durch
Verstärkung des Stammvokals eigentlich durch analoge Imperfekte ersetzt wird,
zeigen sie voraussichtlich keinen Unterschied zu Verben der Klasse A1.
Wir haben ein Beispiel für das Partizip Perfekt Aktiv dieser Verben - tíriel
(beobachtet habend) (aus HdR/RGEO:72), welches dem Verb *tir- entspricht.
Dies ist die Hauptgrundlage für dargelegtes Szenario der Stammvokal-Längung
und einer Endung -iel.
Das Imperfekt des Verbs tiri könnte mit tiriant dargestellt
werden, das Verb als solches ist also wahrscheinlich zu einem gewissen Grad
analog. Das Partizip Perfekt Passiv tirnen (beobachtet) scheint dennoch
anzuzeigen, dass ein ursprüngliches CE Imperfekt in -nê in einigen
Formen überlebt hat. Da das ON Imperfekt des Verbs naro als narne
gegeben ist, ist es wahrscheinlich nicht unbegründet anzunehmen, dass dieses
Verb noch das Partizip *narnen (erzählt) beibehalten würde, trotz der
Tatsache, dass sein Imperfekt jetzt narante ist und durch ein
anderes Verfahren gebildet wird.
Somit:
Klasse A3a (nur analoges Imperfekt)
Stamm: *trenar- (erzählen) Infinitiv: treneri (erzählen)
Präsens: *trenar (erzählt) mit Endungen *trenerin (ich erzähle)
Imperfekt: trenor (erzählte) mit Endungen *trenoren (ich erzählte)
Analoges Imperfekt: trenerant (erzählte) mit Endungen *trenerannen
(ich erzählte)
Futur: *treneritha (wird erzählen) mit Endungen *trenerithon (ich
werde erzählen)
Aktive Partizipien: *trenorel (erzählend) *trenóriel (erzählt
habend)
Passives Partizip: *trenoren oder vielleicht *trenarnen (erzählt)
Gerund: *trenared ([das] Erzählen)
Klasse A3 (Infinitiv, Imperfekt und vermutlich Futur analog)
Stamm: *gar- (halten) Infinitiv: garo (halten)
Präsens: *gâr (hält) mit Endungen *gerin (ich halte)
Imperfekt: garant (hielt) mit Endungen *garannen (ich hielt)
Futur: *garatha (wird halten) mit Endungen *garathon (ich werde
halten)
Aktive Partizipien: *garel (haltend) *góriel (gehalten habend)
Passives Partizip: *garannen (gehalten) Gerund: *gared ([das]
Halten)
Wie bereits oben erwähnt,
werden abgeleitete Verben nicht direkt vom Verbstamm ausgehend gebildet, sondern
mit Hilfe einer Endung. Gebräuchliche Endungen sind -jâ, -tâ, -nâ, -bâ
und möglicherweise -â. Überraschenderweise sind trotz ihrer großen
Anzahl nur wenige Formen abgeleiteter Verben direkt attestiert. Die Stämme
dieser Verben im Noldorin/Sindarin enden in -a - dies ist nicht der Fall
bei einfachen Verben, welche normalerweise auf Konsonanten enden (deshalb wird
die Klasse der abgeleiteten Verben auch oft als A-Verben bezeichnet). Ein
Beispiel eines solchen einfachen Stammes kann in LR:391 gefunden werden: trasta-
(stören, belästigen), abgeleitet von einer Wurzel TARAS.
Im Präsens der 3. Person (also ohne Personendung) zeigen diese Verben offenbar
den einfachen Stamm, man siehe das Beispiel thia (es scheint) (LR:392)
zum Verb thio (scheinen) aus der Wurzel THÉ-; dies ist
augenscheinlich kein Stammverb, da diese in der 3. Person kein -a
erhalten können. Wir können womöglich eine echte Verwendung ohne Person in e
aníra aus dem 'King's Letter' beobachten - wenn dies einem Verb aníra-
entspricht.
Bei der Beugung mit Endungen wird finales -a im Stamm in der 1. Person
Singular zu -o-, vgl. le nallon (zu dir rufe ich) (HdR), le
linnon (zu dir singe ich) (The Lays of Beleriand, S. 354), wo das Verb
eindeutig von der Wurzel LIN2 (LR:369) abgeleitet ist. Dies scheint für
andere Endungen nicht der Fall zu sein, das 'Ae Adar' (VT44:21) beinhaltet gohenam
(wir vergeben) und SIL hat Dor Firn i Guinar (Land der Toten, die leben),
welche zeigen, dass die Endungen an den Stamm gehängt werden wenn es sich nicht
um die erste Person handelt.
Der Infinitiv abgeleiteter Verben kann aus dem oben zitierten Beispiel thio
(LR:392) ersehen werden. Dieser Fakt passt gut in das gesamte in diesem Artikel
beschriebene Szenario, dass Infinitive in -o, welche bei manchen
abgeleiteten Verben zu sehen sind, analoge Bildungen darstellen, die durch die
Formen der zahlreicheren A-Verben angeregt wurden. Es ist so einiges an
Infinitiven in -o in den Etymologies zu finden, von denen wir folgern können
(z.B. durch ihre Entsprechungen im Quenya), dass das Verb abgeleitet sein muss.
Um einige Beispiele zu geben: tirio (beobachten) aus der Wurzel TIR
(LR:394) über CE: *tirjâ, ortho (erheben) aus der Wurzel ORO
(LR:379) über CE: *orotâ, oder harno (verwunden) aus der Wurzel SKAR
(LR:386), dessen Quenya-Äquivalent Q: harna- gegeben ist.
Das Imperfekt dieser Formen (zumindest für transitive Verben) kann aus den
Beispielen tiriant (*beobachtete) (LR:394) und orthant (*erhob)
(LR:379) gefolgert werden, oder aus der Form teithant (schrieb), welche
in der Inschrift am Moria-Tor zu sehen ist und dem Verb teitho
(schreiben) entspricht, abgeleitet von einer Wurzel TEK (LR:391) - es ist
eindeutig durch Anhängen von -nt an die Wurzel des Verbs gebildet. Dies
passt wieder schön in das Szenario, dass einfache Verben, analog zu den
zahlreicheren abgeleiteten Verben, ein Imperfekt in -ant 'ererbt' hätten.
Da im Quenya eine Imperfekt-Bildung in -ant nicht zu beobachten ist, ist
dies wohl eine Entwicklung, die dem Sindarin eigen und nicht in der Beugung
abgeleiteter Verben im CE vorhanden ist.
Die Frage nach dem Bindevokal für Endungen im Imperfekt ist ein wenig schwierig
- wir haben kein eindeutiges Beispiel, aber die Tatsache, dass das A2-Verb dravo
(welches abgeleiteten Verben ähnlicher sein sollte als ein P2-Verb) drammen
(ich schlug) und nicht **dremmin bildet, zeigt wohl an, das dieser Vokal -e-
sein sollte.
Das Futur kann aus anglennatha (wird ankommen) aus dem 'King's Letter'
erlesen werden - offensichtlich ist dieses Wort durch eine primitive Endung -nâ
aus der Wurzel LED abgeleitet, und das Futur wird einfach durch Anhängen
von -tha an den Verbstamm gebildet. Wenn Endungen vorhanden sind, verhält
sich diese offenbar wie das Verb im Präsens, z.B. wird in der 1. Person das -a
zu -o-, bleibt ansonsten aber erhalten. Siehe zum Beispiel le
linnathon (zu dir werde ich singen) (HdR; RGEO:72) und estathar im 'King's
Letter' (von einer Interpretation der letzten Form Abstand haltend scheint es
das Sindarin-Äquivalent des Quenya-Verbs Q: esta- (LR:356) mit
Futurendung -tha zu sein).
Für das Partizip Präsens Aktiv finden wir Belege in LR:358, wo ein Verb glavro
(schwatzen) aus der Wurzel GLAM gegeben ist, zusätzlich zu einer Form glavrol
(schwatzend). Ebenso hat LR:388 ein Verb chwinio (wirbeln), abgeleitet
von der Wurzel SWIN und eine Form chwiniol (wirbelnd). Die beste
Vermutung zur Bildung von Partizipien abgeleiteter Verben ist demnach, dass die
Endung -a durch -ol ersetzt wird. Dies verträgt sich in der Tat
vollkommen mit der Annahme, dass aktive Partizipien im Präsens in Sindarin und
Quenya beide von einer primitiven CE-Endung -lâ abgeleitet sind.
Wir können nur vermuten, wie das Partizip Perfekt Aktiv aussehen könnte, da es
keine attestierte Form gibt. Es wird allgemein angenommen, dass es gebildet wird
indem jegliche vokalische Endung eines abgeleiteten Verbs durch -iel
ersetzt und (wenn möglich) eine Längung des Stammvokals neben den notwendigen
Lautverschiebungen vorgenommen wird (dies basiert auf der Analogie mit einfachen
Verben und der Perfektbildung im Quenya).
Für das Partizip Perfekt Passiv haben wir jedoch attestierte Beispiele - für
das Verb presto (beeinflussen) finden wir die Form prestannen
(beeinflusst) (LR:380) - welche anzeigen, dass das Partizip Perfekt Passiv
offensichtlich mit dem Imperfekt und der Endung -en gebildet wird, wie
auch im Falle der Stammverben.
Schließlich können wir das Gerund aus dem Beispiel eithad
(*Beleidigung) folgern, welches dem Verb eitha- (beleidigen) (WJ:365)
entspricht - es wir offenbar durch Anhängen von -d an den Verbstamm
gebildet.
Somit könnte die Konjugation eines solchen Verbs so aussehen:
Klasse D1 (transitive abgeleitete Verben)
Stamm: *teitha- (schreiben) Infinitiv: teitho (schreiben)
Präsens: *teitha (schreibt) mit Endungen *teithon (ich schreibe)
Imperfekt: teithant (schrieb) mit Endungen *teithannen (ich
schrieb)
Futur: *teithatha (wird schreiben) mit Endungen *teithathon (ich
werde schreiben)
Aktive Partizipien: *teithol (schreibend) *teithiel (geschrieben
habend)
Passives Partizip: *teithannen (geschrieben) Gerund: *teithad
([das] Schreiben)
Es gibt einige Beispiele
abgeleiteter Verben, welche ein anderes Imperfekt als das in -(a)nt
zeigen. Die erste Klasse von Verben weisen ein Imperfekt in -(a)s auf,
man siehe z.B. mudas (*arbeitete) von mudo ((hart) arbeiten)
(LR:373), erias (*stieg auf) von erio (aufsteigen) (LR:379 und 'Addenda
and Corrigenda') und istas (*hatte Wissen) von isto (Wissen haben)
(Addenda and Corrigenda).
Besonders der Unterschied zwischen erio -> erias (stieg auf) und ortha
-> orthant (erhob) in Kombination mit der Tatsache, dass alle
attestierten Verben mit Imperfekt in -s intransitiv sind, scheint
anzuzeigen, dass diese (eher als -nt) als Endung für intransitive
abgeleitete Verben vorgezogen wird. Es sei angemerkt, dass es keinen Grund gibt
anzunehmen, diese Verben seien irgendwie eine Ausnahme - für abgeleitete Verben
sind Imperfekte in -s etwa genauso oft attestiert wie Imperfekte in -nt.
Wir haben keine besonderen Anzeichen dafür, dass andere Zeiten als das
Imperfekt für intransitive Verben verschieden sein würden - es ist möglich,
aber für den aktuellen Stand scheint es das beste, anzunehmen, dass der einzige
Unterschied nur im Imperfekt auftritt. Eine Imperfektendung -s muss von
einem längeren -ssV (mit V als Vokal) abgeleitet sein, nach einem Vokal
würde es ansonsten zu -h leniert werden und eventuell verloren gehen.
Diese längere Endung würde bestehen bleiben wenn das Verb Pronomenendungen erhält.
Wir können nur eine Vermutung aufstellen, welcher Bindevokal eingefügt werden
sollte - die wahrscheinlichste Lösung ist -e-, analog zu den transitiven
abgeleiteten Verben. Der Vokal -i- im Imperfekt scheint nur für einfache
Verben relevant zu sein.
Andererseits scheinen die passiven Partizipien von Stamm- als auch abgeleiteten
Verben normalerweise direkt vom Imperfekt ausgehend gebildet zu werden - wenn
sie existieren (was für intransitive Verben nicht sicher ist, da sie eine
andere Bedeutung erhalten müssten), sollten sie wahrscheinlich auch von der
Endung -sse- abgeleitet werden; somit ?istassen (bekannt) (es sei
angemerkt, dass es kein wirkliches passives Partizip für ein Verb 'Wissen
haben' geben kann).
Somit könnte eine komplette Konjugation folgendermaßen aussehen:
Klasse D2 (intransitive abgeleitete Verben)
Stamm: *muda- (arbeiten) Infinitiv: mudo (arbeiten)
Präsens: *muda (arbeitet) mit Endungen *mudon (ich arbeite)
Imperfekt: mudas (arbeitete) mit Endungen *mudassen (ich
arbeitete)
Futur: *mudatha (wird arbeiten) mit Endungen *mudathon (ich werde
arbeiten)
Aktive Partizipien: *mudol (arbeitend) *múdiel (gearbeitet
habend)
Passives Partizip: ?mudassen (?gearbeitet, getan) Gerund: *mudad
([das] Arbeiten)
Für das Verb isto
(Wissen haben) ist neben istas (Addenda and Corrigenda) das Imperfekt +sint
(hatte Wissen) gegeben. Für ein abgeleitetes Verb ist diese starke
Imperfekt-Bildung ein wenig überraschend.
Es gibt jedoch noch mehr Beispiele für dieses Phänomen: Die Verben *lhimmid-
(befeuchten) (LR:369) und *nimmid- (weiß machen, bleichen) (LR:378)
haben die Imperfekt-Formen lhimmint (befeuchtete) und nimmint
(machte weiß) (In der Annahme, dass Tolkiens Einträge lhimmid, nimmid
Verbstämme repräsentieren sollen, werden diese Worte hier als *lhimmid-,
nimmid- zitiert. Das Verb aphad- (folgen) (WJ:387), welches von *ap-pata
(das Sternchen ist von Tolkien selber) abgeleitet ist, zeigt, dass finales -a
eines Verbs tatsächlich weggelassen werden kann um einen gekürzten Stamm
hervorzubringen, und unterstützt diese Interpretation). Und diese Verben sind
sogar von den Wurzeln LINKWI und NIK-W abgeleitet und sind
offensichtlich das Resultat einer kausativen Verbendung -tâ, welche an
Adjektive angehängt wird; somit CE: *linkwi-tâ 'veranlassen feucht zu
sein' und CE: *ninkwi-tâ 'veranlassen weiß zu sein'. Es ist
interessant, dass diese Verben anscheinend trotzdem finales -a dieser
Endung verloren haben, da die Stämme in den Etymologies dieses nicht aufweisen.
Es ist möglich, dass das, was diese Beispiele gemeinsam haben, die Tatsache
ist, dass eine kausative Bedeutung 'weiß machen' sich mit einer intransitiven
Bedeutung 'weiß werden' leicht überschneiden kann. Wenn dem so ist, würde das
Beispiel +sint annehmen lassen, dass intransitive Verben, selbst wenn es
sich um abgeleitete Verben handelt, starke Imperfekte bilden können, und
die Überschneidung dieser Formen würde dann analog lhimmint, nimmint
hervorbringen. Um sicher zu sein, haben wir zu wenige Beispiele, aber es scheint
eine wahrscheinliche Erklärung zu sein.
Wir haben ein weiteres deutlicheres kausatives Verb im Korpus; tangado
(befestigen) (LR:389), und einige, für welche nicht klar ist, ob sie durch eine
kausative Endung abgeleitet sind, welche aber dennoch längere Formen sind, bei
denen die Endung an einen Verbstamm angehängt wurde, z.B. lhathrado
(horchen, lauschen) (LR:368) (vgl. lathro (belauschen)), gannado
(Harfe spielen) (LR:377) (vgl. ganno (Harfe spielen)).
Es erscheint plausibel, dass das Imperfekt von tangado, um mit den
Beispielen lhimmint, nimmint konform zu gehen, *tangant sein
sollte - aber wie sieht das Präsens dieser Verben aus? Gehören sie in die
selbe Klasse, d.h. sollte der Infinitiv von *lhimmid- *lhimmido sein,
oder ist der Verlust des Endvokals eine Eigentümlichkeit dieser beiden
Beispiele und das Präsens sollte eher *tangada sein? Welcher Bindevokal
muss eingefügt werden?
Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, aber der folgende Entwurf scheint
am wahrscheinlichsten: Die beiden Formen *nimmid- und *lhimmid-
scheinen in einem früheren Stadium eine Endung -a gehabt zu haben.
Deshalb könnte ihr Infinitiv gut als *lhimmido und *nimmido
erhalten sein um mit tangado übereinzustimmen. Ihre Verkürzung zu *lhimmid-
statt **lhimmida- könnte ein jüngeres Phänomen sein, welches durch
eine Analogie mit ihrem Imperfekt (welches im Falle von +sint explizit
als archaisch/poetisch gekennzeichnet ist) hervorgerufen wurde. Wenn dem so ist,
würden sie im Präsens wahrscheinlich wie einfache Verben konjugiert werden,
d.h. *lhimmidin (ich befeuchte), *nimmid (er macht weiß). Es ist
bloße Spekulation, ob das selbe mit tangado geschehen würde - ich finde
*tangadon (ich befestige) wahrscheinlicher da Tolkien nichts mehr zu
dieser Form anmerkt; aber ?tengedin könnte auch möglich sein.
Was wäre nun der Bindevokal im Imperfekt? Da wir die Theorie aufstellten, dass
diese Verben ursprünglich in -a endeten, könnten sie den Verben der
A-Klasse ähnlich sein und -e- als Bindevokal haben, vgl. drammen,
aber wir können uns nicht sicher sein.
Wie für die anderen erwähnten Verben gibt es auch hier keinen Grund zu
glauben, dass sie bestimmte kausative Bedeutungen haben, welche sich mit
intransitiven Verben überschneiden - aber sie sind natürlich selber
intransitiv, würden also wahrscheinlich Imperfekte in -a(s) oder sogar
die starke Imperfektbildung zeigen.
Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie sich in anderen Zeitformen von Verben
der Klassen D1/D2 unterscheiden würden.
Somit:
Klasse D2 (intransitive abgeleitete Verben mit alternativem Imperfekt)
Stamm: *ista- (wissen) Infinitiv: isto (wissen)
Präsens: *ista (weiß) mit Endungen *iston (ich weiß)
Imperfekt: istas (wusste) mit Endungen *istassen (ich wusste)
Alternatives Imperfekt: sint (wusste) mit Endungen *sinten (ich
wusste)
Futur: *istatha (wird wissen) mit Endungen *istathon (ich werde
wissen)
Aktive Partizipien: *istol (wissend) *istiel (gewusst habend)
Passives Partizip: ?istassen (?gewusst) Gerund: *istad ([das]
Wissen)
Klasse D2a (kausative abgeleitete Verben mit starkem Imperfekt und verändertem
Präsens)
Stamm: *nimmid- (weiß machen) Infinitiv: *nimmido (weiß machen)
Präsens: *nimmid (macht weiß) mit Endungen *nimmidin (ich mache
weiß)
Imperfekt: nimmint (machte weiß) mit Endungen *nimminnen (ich
machte weiß)
Futur: *nimmidatha (wird weiß machen) mit Endungen *nimmidathon
(ich werde weiß machen)
Aktive Partizipien: *nimmidol (weiß machend) *nimmidiel (weiß
gemacht habend)
Passives Partizip: *nimminnen (weiß gemacht) Gerund: *nimmidad
([das] Weißmachen)
Wir haben ein klares Beispiel
eines abgeleiteten Verbs, welches das Imperfekt durch Verstärkung des
Wurzelvokals bildet - dieses Beispiel ist ónen (ich gab) (HdR),
vermutlich das Imperfekt von anno (geben) (LR:348). Es ist etwas überraschend,
ein solches Imperfekt für ein abgeleitetes Verb zu finden, besonders da die
Wurzel weder mit einem stimmhaften Stopp noch mit einem Nasal endet. Wenn man
bedenkt, dass die übliche Bildung **annant (gab) und **annannen
(ich gab) irgendwie merkwürdig aussehen würde, kann man vielleicht dennoch
nachvollziehen, wie es zu dieser Form kam. Andererseits kann es sein, dass óne-
tatsächlich die alte Imperfektform ist - sicher können wir uns dessen nicht
sein.
Die Form ónen ist offensichtlich durch einen Bindevokal -e- von *aun
(gab) abgeleitet. Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass die anderen Zeitformen
in irgendeiner Weise unregelmäßig sein sollten, das Partizip Perfekt Passiv
sollte wohl dennoch wahrscheinlich ebenso ónen lauten.
Das Verb delia (verstecken) zeigt das archaische/poetische Imperfekt +daul
neben dem gebräuchlicheren deliant (Addenda and Corrigenda).
Es gibt ein weiteres Verb, welches zu dieser Klasse gehören könnte: für thoro
(einzäunen) (LR:393) haben wir das Partizip Perfekt Passiv thoren
(eingezäunt), welches auf ein Imperfekt *thaur (zäunte ein) hinweisen würde.
Das Problem an dieser Interpretation ist, dass wie nicht sicher sein können, ob
es sich hierbei wirklich um ein abgeleitetes Verb ?thora- handelt, da es
gut sein könnte, dass es tatsächlich ein Verb ?thor- mit analogem
Infinitiv in -o ist. Ist dem so, könnten wir dennoch ein analoges
alternatives Imperfekt ?thorant erwarten, und da dies nicht explizit erwähnt
ist, liegen die Ungleichheiten leicht zu Gunsten der Interpretation, dass dies
tatsächlich ein abgeleitetes Verb ist (und sein Imperfekt unregelmäßig). Wir
wissen es nicht sicher.
Die Konjugation unseres bekannten Beispiels wäre auf jeden Fall:
Klasse D3 (abgeleitete Verben mit Imperfekt durch Verstärkung des Stammvokals)
Stamm: *anna- (geben) Infinitiv: anno (geben)
Präsens: *anna (gibt) mit Endungen *annon (ich gebe)
Imperfekt: *aun (gab) mit Endungen ónen (ich gab)
Futur: *annatha (wird geben) mit Endungen *annathon (ich werde
geben)
Aktive Partizipien: *annol (gebend) *anniel (gegeben habend)
Passives Partizip: *ónen (gegeben) Gerund: *annad ([das] Geben)
Es gibt noch Verben, welche in
keine der oben beschriebenen Klassen zu passen scheinen. Das Imperfekt von egledhi
(ins Exil gehen) (LR:368) ist als egledhas oder eglant (*ging ins
Exil) gegeben. Beide scheinen unregelmäßige Verkürzungen der erwarteten
Formen **egledhias und **egledhant zu sein (die erste ist das
D2-Imperfekt zu *egledhia- für intransitive Verben, die zweite ist das
analoge A1-Imperfekt zu *egledh-). Aufgrund fehlender zusätzlicher
Informationen unter welchen Umständen diese Unregelmäßigkeiten auftreten könnten,
wissen wir nicht, ob sich dieses Bildungsmuster auch auf andere Formen übertragen
ließe.
LR:354 hat ein Verb dant- (fallen), welches in dem Sinne sehr unregelmäßig
wäre, dass es eine Kombination aus zwei Konsonanten als Endung des Stammes
aufweist - es ist unklar, wie ein solches Verb sein Imperfekt bilden würde, das
Präsens wäre vermutlich dant (fällt) mit Endungen *dennin (ich
falle).
Es gibt noch einige weitere unregelmäßige Verben, welche unten aufgeführt
sind - eine detaillierte Diskussion dieser liegt etwas außerhalb des Rahmens
dieses Artikels und wird ausgelagert werden.
Da die hier dargelegte
Systematisierung von Sindarin Verben, im Vergleich zur 'Suggested Conjugation'
von Ardalambion, ziemlich drastische Konsequenzen für die Konjugation einiger
Verben hat, hier einige Beispiele, wie häufig verwendete Verben aussehen könnten:
aphad- (folgen) (WJ:387) ist sehr wahrscheinlich ein D2a mit finalem -a,
welches im Präsens verloren geht, es sollte also lauten:
Stamm: aphad- (folgen) Infinitiv: *aphado (folgen)
Präsens: *aphad (folgt) mit Endungen *ephedin, vielleicht *aphedin
(ich folge)
Imperfekt: *aphant (folgte) mit Endungen *aphannen (ich folgte)
Futur: *aphadatha (wird folgen) mit Endungen *aphadathon (ich
werde folgen)
Aktive Partizipien: *aphadol (folgend) *aphadiel (verfolgt habend)
Passives Partizip: *aphannen (gefolgt) Gerund: *aphadad ([das]
Folgen)
*dar- (anhalten) (LR:353) würde der Klasse P3 angehören, da die Wurzel
mit einem Liquid endet und der Stammvokal a ist, aber wie *nar-
behält es womöglich eine übliche Imperfekt-Bildung mit -ne im Partizip
bei:
Stamm: dar- (anhalten) Infinitiv: deri (anhalten)
Präsens: *dâr (hält an) mit Endungen *derin (ich halte an)
Imperfekt: *daur (hielt an) mit Endungen *doren (ich hielt an)
Futur: *deritha (wird anhalten) mit Endungen *derithon (ich werde
anhalten)
Aktive Partizipien: *darel (anhaltend) *dóriel (gehalten habend)
Passives Partizip: *darnen (angehalten) Gerund: *dared ([das]
Anhalten)
*gir- (zittern) (LR:358) könnte in Klasse P3 oder A3a sein, also wäre
sein Imperfekt entweder *gîr (Längung des Stammvokals analog zu *nidh-)
oder *giriant (Bildung analog zu *tir-. Möglicherweise sind beide
erlaubt. Wieder sollte das Partizip (wenn es überhaupt existiert, schließlich
ist dies kein transitives Verb) analog zu tirnen eine ältere Form
darstellen:
Stamm: *gir- (zittern) Infinitiv: giri (zittern)
Präsens: *gîr (zittert) mit Endungen *girin (ich zittere)
Imperfekt: *gîr (zitterte) mit Endungen *gíren (ich zitterte)
Analoges Imperfekt: *giriant (zitterte) mit Endungen *giriannen
(ich zitterte)
Futur: *giritha (wird zittern) mit Endungen *girithon (ich werde
zittern)
Aktive Partizipien: *girel (zitternd) *gíriel (gezittert habend)
Passives Partizip: ?girnen (?gezittert) Gerund: *gired ([das]
Zittern)
thinna- (schwinden, sich dem Abend nähern) wäre ein intransitives Verb
(D2) und zeigt somit vermutlich ein Imperfekt in -(a)s:
Stamm: thinna- (schwinden) Infinitiv: *thinno (schwinden)
Präsens: *thinna (schwindet) mit Endungen *thinnon (ich schwinde)
Imperfekt: *thinnas (schwand) mit Endungen *thinnassen (ich
schwand)
Futur: *thinnatha (wird schwinden) mit Endungen *thinnathon (ich
werde schwinden)
Aktive Partizipien: *thinnol (schwindend) *thinniel (geschwunden
seiend)
Passives Partizip: ?thinnassen (?geschwunden) Gerund: *thinnad
([das] Schwinden)
Es bleibt die schwierige
Aufgabe, die attestierten und halb-attestierten Verben in die verschiedenen
Klassen einzuordnen. Es sei angemerkt, dass dies für viele Verben nur auf
Vermutungen beruht, es kann nicht viel aus z.B. nur einem Infinitiv hergeleitet
werden. Es sei bitte zu beachten, dass diese Liste beinhaltet, was allgemein als
mehr oder weniger gültiges Sindarinverb angenommen wird, ohne einen Beleg anzuführen,
wo es attestiert ist. Diese Auskunft habe man sich bitte aus einem Sindarin-Wörterbuch
zu erlesen. Einige Verben, welche zuvor in die 'gemischte Konjugation'
eingeordnet wurden, sind hier verschiedenen Klassen zugewiesen und erscheinen
konsequent ohne finales -a; somit enthält die Liste z.B. sog-
statt soga-. Nach allem, was wir wissen, scheinen Noldorinverben (und
vermutlich auch ihre Entsprechungen im Sindarin) auf mehr als eine Weise z.B.
ihr Imperfekt bilden zu können. Einige der unten aufgeführten Verben könnten
gut mehr als einer Klasse angehören; es ist also zu einem bestimmten Grad verfälscht,
sie nur in die Klasse einzuordnen, die ich am wahrscheinlichsten halte.
P1: bad-, blab-, cab-, echad-, gad-, gonod-, govad-, hab-, had-, heb-, mab-,
mad-, nag-, nestag-, nod-, ped-, rib-, trevad-
P2: can-, cen-, draf-, haf-
P3: car- (mit Augment im Imperfekt), dar-, gal-, gir-, glir-, hal-, lav-, nidh-
orthor-, osgar-, tol-
A1: dreg-, rad-, sog-, tob-
A1a: dag-, gwedh-, redh-, tog-
A2: draf-
A3: gar-, mel-, orthel-, pel-, tir-, thel-
A3a: fir-, gir-, glir-, nor- (?), sol-, trenar-, tir-
D1: adertha-, anglenna-, aníra- (möglicherweise ein abweichendes Präsens),
awartha-, bartha-, baugla-, beria-, bertha-, boda-, breitha-, brona-, bronia-,
buia-, critha-, dagra-, damma-, delia-, díhena-, dilia-, doltha-, dringa-,
edra-, egleria-, eitha-, ercha-, ertha-, esta-, fara-, fuia-, ganna-, genedia-,
glavra-, gleina-, gohena-, gonathra-, gosta-, gruitha-, gwatha-, gweria-,
gwesta-, haltha-, harna-, hartha-, hasta-, heltha-, henia-, heria-, hortha-,
iuitha-, lasta-, lathra-, leitha-, linna-, luitha-, luithia-, maetha-, matha-,
minna-, naegra-, nalla-, nara- (Imperfekt narante, PPP. *narnen), narcha-,
nasta-, nautha-, neitha-, nella-, nesta-, nuitha-, oltha-, ortha-, pada-, panna-,
pathra-, pelia-, penia-, presta-, puia-, rada-, rista-, ritha-, rosta-, sautha-,
seidia-, thuia-, taetha-, tamma-, teitha-, telia-, tiria-, tíra- (möglicherweise
ein abweichendes Präsens), toltha-, tortha-, trasta-
D2: adlanna-, batha-, cuia-, cuina-, dartha-, dortha-, eria-, faltha-, gwanna-,
hwinia-, ista- (alternatives Imperfekt sint), laba-, lacha-, mista-, muda-,
ovra-, penna-, renia-, revia-, síla- (möglicherweise ein abweichendes Präsens),
siria-, thia-, thilia-, thinna-, tinna-, tuia-
D2a: athrad- (?), aphad-, gannad- (?), lathrad- (?),limmid-, nimmid-, tangad-
D3: abonna-, anna-, delia-, edonna-, onna-, suilanna-, thora-
I: ava-, banga-, boe, dant- (?danna-), edledh-, elia-, gaw-, neledh-, *yr-
Die Verben aníra-, tíra- und síla- stellen womöglich die
Sindarin-Analogien zum Präsens dar (was oben als Präsens ausgelegt wurde, wäre
dann der Aorist). Wenn dem so ist, sollten diese Wörter eher anir-, tir-
und sil- lauten.
Bei der Fertigung dieses Artikels habe ich starken Gebrauch
von Carl F. Hostetters The
Past-Tense Verb in the Noldorin of the Etymologies und von Helge Fauskangers
Reconstructing the
Sindarin Verb System gemacht, oft als Beleg, welche Formen wo attestiert
sind. Dennoch baut vieles von dem, was ich zum Imperfekt geschrieben habe auf
der Grundlage auf, welche Carl Hostetters Artikel gelegt hat.
Ich danke Lothenon und Carl Hofstetter für ihre hilfreichen Kommentare während
der Fertigung dieses Artikels.
Thorsten Renk
thorsten@sindarin.de